Von Franz Schöler

Pop-Musik-Festivals gleichen den Reden der Politiker vor anstehenden Wahlen: Hier wie dort wird zunächst viel versprochen, aber die Versprechungen werden kaum oder überhaupt nicht eingelöst. Anscheinend dienen solche Festivals nur noch dem Zweck, die Bankkonten ihrer Veranstalter möglichst rasch zu erhöhen. Die Musik wird mehr und mehr zur bloßen Tonkulisse für ein be-in, zum lautstarken Stimulans für ein Publikum, dessen durchaus legitime Bedürfnisse auf höhnische Weise ausgenutzt und düpiert werden.

Das Joint Meeting, das während des Pfingstwochenendes in Düsseldorfs Eisstadion veranstaltet wurde, hätte das umfangreichste und – gemessen an der Qualität der annoncierten Gruppen – auch das bedeutendste aller bisher in der Bundesrepublik abgehaltenen Festivals dieser Art werden können. Am Ende wurde es für die Musiker, die nie wußten, wann sie auftreten sollten, nur eine nervenaufreibende Strapaze. Das organisatorische Fiasko war infolge von Überorganisation komplett, und der Veranstalter demonstrierte völlige Hilflosigkeit gegenüber kritischen Situationen, die bei dem etwas chaotischen Charakter solcher Unternehmungen unvermeidbar sind.

Einige der wichtigsten angekündigten Gruppen, die Attraktionen des Festivals – wie „Blodwyn Pig“, „Van der Graaf Generator“ und „Fleetwood Mac“ – erschienen nicht, aus welchen Gründen auch immer.

Andere Formationen, denen ein legendärer Ruf vorausgeht und die kurzfristig unter Vertrag genommen worden waren – wie „Black Widow“ – erschienen zwar, reisten aber sofort wieder ab, als sie sahen, wie ihren Kollegen mitgespielt wurde.

Wieder andere – die „Airforce“ des Drummers Ginger Baker, die „Keef Hartley Band“ und „Family“ – spielten vielleicht 20 oder 30 Minuten, als ihnen plötzlich und bisweilen mitten in einem Stück der Strom gesperrt wurde, woraufhin die Musiker enttäuscht oder wütend die Bühne verließen.

Denn sie waren nicht nach Düsseldorf gekommen, um ganz schnell das ganz große Geld zu kassieren, das ihnen auf Festivals sowieso nie gezahlt wird. Sie wollten vielmehr jenes Publikum unterhalten, dessen Bedürfnisse sie genauer kennen als alle diese Veranstalter, denen bei ihrer Spekulation auf hastigen Gewinn innerhalb kürzester Zeit kaum noch der Gedanke daran kommt, welchen Sinn und welche Funktion solche Veranstaltungen haben könnten. War dieses Publikum da?