Zum Röntgen braucht man erst einmal einen Termin. Man nennt ihm den Donnerstag. Kurz nach sieben Uhr morgens marschiert er los. Gegen drei Uhr nachmittags kommt er wieder. Inzwischen war er nicht etwa spazierengegangen. Es hatte halt so lange gedauert.

Das war bei mir nicht anders gewesen. Wie -zig andere Patienten auch mußte ich im Röntgeninstitut viele Stunden warten. Um halb acht hatte man mich hinübergefahren. Gegen zwei Uhr mittags war ich endlich an der Reihe. Immerhin hatte ich zuvor frühstücken können, wogegen viele andere lediglich Kontrastbrei im Magen hatten. Die Prozedur des Röntgens selber dauerte kaum fünf Minuten. Danach verging noch eine gute halbe Stunde, bis ein Transportwagen für mich frei war.

Daß sich über solche Wartezeiten kaum jemand beklagt, hat recht einleuchtende Gründe. Den meisten ist es gleich, ob sie auf ihrem Zimmer oder im Röntgeninstitut warten. Und vor allem kann man ja froh sein, endlich einen Termin bekommen zu haben. Der Siebzigjährige, dessen, Nieren geröntgt werden sollten, kriegte seinen Termin erst nach acht Tagen.

Drei Tage kann es dann dauern, bis der Röntgenbefund bei der Krankengeschichte ist. Der Seemann hatte Glück: Sein Befund lag am folgenden Nachmittag vor. Inzwischen war wieder Freitag, und der Mann war nun eine Woche hier. Er konnte nun endlich (mit der Bestätigung, daß sich das Krankheitsbild in den letzten Jahren nicht verschlechtert hatte) entlassen werden. Eine ganze Woche hatte er ein Bett belegt – für eine Aufnahmeuntersuchung, die Blutabnahme, Labortests und ein Röntgenbild, wofür alles in allem sechs Stunden gut gereicht haben könnten.

Wohlgemerkt: Bei der Allensbacher Untersuchung geht es um das Image des Krankenhauses, um sein Ansehen, nicht um die Krankenhausrealitär. Die Studie hatte also, schreiben die Allensbacher, „nicht so sehr die Aufgabe, Fakten, objektive Tatbestände aufzudecken, sondern die subjektiven Vorstellungsbilder, mit denen für die Bevölkerung das Krankenhaus besetzt ist“.

Da ist es freilich auffallend, daß die Meinung ehemaliger Patienten gegenüber dem Krankenhaus häufig sehr viel „freundlicher“ ist als die allgemeine Ansicht. Während zum Beispiel 70 Prozent eines repräsentativen Bevölkerungsquerschnitts meinen, es gäbe zuwenig Schwestern (und 58 Prozent von zuwenig Ärzten sprechen), sind von den ehemaligen Krankenhauspatienten nur 39 (beziehungsweise 23) Prozent dieser Ansicht. Eine derart große Diskrepanz muß natürlich einen Grund haben. Die Allensbacher nennen diesen:

„Während positive Eindrücke in das Pauschalurteil oder, wie man auch sagt, das ,Stereotyp‘ des Krankenhauses eher abgeschwächt übersetzt werden, geschieht genau das Gegenteil mit den negativen Erfahrungen. Zum Teil handelt es sich dabei wahrscheinlich um den Verstärkungseffekt kritischer Berichte in den Massenmedien, die bekanntlich – im Bewußtsein der Kontrollfunktion. der kritischen Funktion, die ihnen in unserer Gesellschaft übertragen ist – negative Sachverhalte mit Vorrang behandeln. Zum Teil werden aber zweifellos auch negative Erfahrungen, negative Eindrücke vorwiegend auf der Grundlage persönlicher Gespräche im Pauschalurteil überakzentuiert.“