An den Folgen einer Routine-Operation starb am Montag, drei Tage nach seinem 64. Geburtstag, Stefan Andres: Lungenembolie.

In einem Zeitalter der rüstigen Greise noch relativ jung, hat Andres dennoch sein literarisches Werk um Jahre überlebt. Der Müllerssohn aus dem Moselland war ein prächtiger Mann, ein treuer Freund, ein Kenner des Lebensleides, ein Genießer der Lebensfreuden, ein Trinker von Format (sein beinahe bestes Buch, über „Die großen Weine Deutschlands“, wird in den meisten Nachrufen keusch verschwiegen). Er hatte bis zuletzt eine kleine, aber treue Gemeinde, und seine Bücher wurden immer von Katholiken besprochen – denn er war ihrer, obwohl er als junger Mann aus dem Priesterseminar davongelaufen war.

In der deutschen Literatur, über den Kreis von dichtungsfrommen Gemeinden hinaus, spielte Andres nur einmal eine Rolle: durch seine Novelle „Wir sind Utopia“, die von der Nachkriegsgeneration begeistert aufgenommen wurde; kommunistisches und katholisches Weltverstandnis prallten hier aufeinander.

Die Lektüre der Novelle könnte noch heute Jüngeren, für die Andres nie existiert hat, einen Eindruck davon vermitteln, wer er war: ein moselländischer Maler historischer Szenerien mit dem alten deutschen Hang zum Mediterraneum, der auf seine Weise Unverwechselbares schrieb – der jedoch das Pech hatte, daß in der Literatur seiner Zeit nichts davon „dran“ war. R. W. L.