Schlußverkauf
In einem Seefahrervolk Cook zu heißen, mußte ein gutes Omen für den Gründer eines Reisebüros sein. Thomas Cook, der Abstinenzler und Temperenzler, war mit Captain James Cook, dem kühnen Weltumsegler und Meervermesser nicht verwandt. Vor 130 Jahren brachte er die Eisenbahnen dazu, 570 Passagiere von Leicester nach Loughborough und zurück zu fahren, um den Preis von einem Shilling pro Person – Tourismus im Dienst der Inneren Mission. Später stieg die Firma auch ins Truppentransportgeschäft der britischen Nahostpolitik ein. Sie war also schon ein „staatsnahes“ Unternehmen, ehe die Enkelerben 1948 bei der Transportbehörde unterkrochen. Nun soll Thos. Cook and San, Ltd privatisiert werden.
Auf die konservative Regierung Heath wirkt der Anblick von Staatsbetrieben wie der Fuselgeruch auf den Bibelforscher Cook. Staatsbrauerei-Kneipen, Eisenbahn-Hotels, örtliche BBC-Sender, die von der Elektrizitätsbehörde gelieferten Kochplatten und die Ziegelproduktion der Kohlenbehörde – alles steht auf der langen Liste des Tory-Schlußverkaufs. Sogar der staatliche Gesundheitsdienst soll „überprüft“ werden. Wie weit geht das? Kann Onassis demnächst die Royal Navy kaufen? Und wann zieht der erste Generaldirektor in Downing Street 10 ein?
Dieser Glaube an die Wunderheilkraft des Privateigentum ist so naiv wie der Verstaatlichungswahn der Labour Party, die denn auch bereits Pläne schmiedet, Cooks und den Rest so bald wie möglich wieder zu nationalisieren. All das ist angestaubte Partei-Ideologie, rechts wie links. Der britischen Volkswirtschaft kann das Hin und Her kaum guttun. K.-H. W.






