Bildungs-Kater
Ein Protokoll brachte es an den Tag: Die SPD-Kulturpolitiker haben Angst vor der eigenen Courage, seitdem Bildungspolitik nicht mehr bloß deklamiert, sondern verwirklicht werden soll. Bei einer internen Besprechung, in der sich die sozialdemokratischen Kultusminister und die Vertreter des Bundes über die Marschrichtung in der Bund-Länder-Kommission verständigten, ist der erste Entwurf des angekündigten Bildungsplanes als „unrealistisch, problematisch und nicht entscheidungsreif“ bezeichnet worden.
Dieses Verdikt überrascht nicht. Es ist bekannt, daß die Zahlen, mit denen die Bildungsplaner operieren müssen, vor allem aus den Länder-Kultusministerien stammen und häufig ungenau sind. Einheitliche Berechnungsgrundlagen für den zukünftigen Bedarf an Lehrern und Professoren oder für den Bau von Schulen und Hochschulen waren bisher nur ein frommer Wunsch.
Aber das allein kann die harte Zensur nicht erklären. Vielmehr ist die Bildungsplanung nun in ein Stadium getreten, in dem die Sozialdemokraten offenbar die Entdeckung ängstigt, daß die Schere zwischen der schönen Utopie und dem, was die gegenwärtige Regierung leisten kann, größer ist, als sie im ersten Eifer angenommen haben. Bei der SPD ist daraufhin Katerstimmung ausgebrochen. Wenn ihre Kulturpolitiker jetzt eingestehen, daß sie selber nicht mehr wissen, was in der Bildungsplanung realistisch und was blühende Phantasie ist, teilen sie damit zwar die Ratlosigkeit vieler Bürger. Doch Vertrauen in ihre Fähigkeiten können sie damit nicht wecken. N. G.





