Die Attentäter
Die Motive gleichen sich fatal: der 20 jährige Gärtner Carsten Eggert, der mit einem feststehenden Messer den Bundespräsidenten umbringen wollte, der 21jährige Krankenpfleger Ekkehard Weil, der einen russischen Wachsoldaten am sowjetischen Ehrenmal anschoß, der Mann, der in La Paz mit den Fäusten auf Außenminister Scheel losging – sie alle wollten auf ihre Weise „politischen Widerstand“ leisten.
Eggert gab an, er habe Heinemann wegen der Bonner Ostpolitik töten wollen; Weil wollte den „Ausverkauf Deutschlands“ verhüten; der Angreifer des Außenministers sprach von Verrat und behauptete, Scheel habe deutsches Staatsgebiet den Polen überantwortet. Die Täter sind wahrscheinlich Einzelgänger mit mehr oder weniger krankhafter Persönlichkeitsstruktur, Irregeleitete – irregeleitet aber von wem?
Traurige Tatsache ist, daß seit einigen Monaten im Außenministerium und im Präsidialamt eine Zunahme von Warn- und Drohbriefen verzeichnet wird. Im Bundeskanzleramt ist der Eingang an Drohpost etwa gleich geblieben wie unter Kiesinger und Erhard, aber auch dort dient jetzt die Ostpolitik der Bundesregierung als Rechtfertigung für Diffamierung und Gewaltanwendung. Der Wortschatz der Briefschreiber ist der rechtsradikalen Kampfpresse entlehnt. Und in etwas abgeschwächter Fom hat dieses Vokabular leider auch in Zeitungen Eingang gefunden, die sich nicht damit genug tun können, die Gefährlichkeit des Linksradikalismus anzuprangern.
Es wäre illusorisch, jetzt wieder einmal – wie es so oft geschieht – vor der politischen Polarisierung der Meinungen zu warnen und sich in ein versöhnliches „nationales Miteinander“ zu flüchten. Aber diese Polarisierung, das ist unzweifelhaft, legt Politikern und Publizisten ein besonderes Maß an Verantwortung auf. Jene abgegriffene, oft belächelte Forderung nach Rationalität und Toleranz ist aktueller denn je, sie bedeutet mehr als nur Formaldemokratismus. Wird sie nicht befolgt, dann könnten diese irregeleiteten Einzeltäter zu Vorboten einer nicht mehr steuerbaren Massenhysterie werden. R. Z.






