Das versuchte Attentat auf Bundespräsident Heinemann hat in Bonn große Bestürzung ausgelöst. Gegen den 20jährigen Carsten Eggert wurde Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen. Der Hamburger Gärtner und Hausmeister gestand, die Ermordung des Bundespräsidenten geplant zu haben. Er war Donnerstag letzter Woche in den Park von Heinemanns Amtssitz eingedrungen, wo ihn Grenzschutzbeamte festnahmen. Eggert trug ein feststehendes Messer bei sich, ferner fand man bei ihm ein Bild Adolf Hitlers, eine Photographie des Buches „Mein Kampf“ und ein Plakat, das zur Neugründung der NSDAP aufruft.

Als Motiv für seinen Mordplan gab Eggert, der nach eigenen Angaben eine Zeitlang NPD-Mitglied war, die Bonner Ostpolitik an: Er habe vor einem halben Jahr beschlossen, die Regierung, die „Moskaus Politik“ betreibe, mit radikalen Mitteln zu bekämpfen. Der Bundespräsident, der Bundeskanzler, Außenminister Scheel und der Abgeordnete Wehner seien Verräter am deutschen Volk.

Die Ermittlungen gegen Eggert konzentrieren sich auf die Frage, ob er ein Einzeltäter ist oder ob politische Gruppen hinter ihm stehen.

In Bonn verurteilten Sprecher der drei Parteien einmütig den Attentatsversuch. Bundespräsident Heinemann, der sich zur Zeit des Zwischenfalls im Schwarzwald aufhielt, wertete den Mordanschlag als „den Ertrag einer monatelangen Hetze“, wobei mit „gemeinsten Aufforderungen bis hin zur Gewalttat“ operiert worden sei.