Auf der Fahrt vom funkelnagelneuen Bukarester Flugplatz Otopeni in die City sollte man kurz hinter dem Ortsteil Baneasa anhalten und ein paar hundert Meter zu Fuß gehen. Auf einer Strecke von knapp einem Kilometer stellt sich hier links und rechts der doppelspurigen, rosengesäumten Prachtstraße die wechselvolle Geschichte Rumäniens wie ein Prolog zum Verständnis der Hauptstadt vor.

Bleiben wir zunächst vor dem „Volkskunstmuseum Dr. N. Minovici“ stehen, das 1905 vom gleichnamigen Arzt im altrumänischen Stil gebaut wurde und in dem über 5000 Volkskunstgegenstände aus den nördlichen Provinzen des Landes gezeigt werden. Es liegt schräg gegenüber dem Golfplatz des Internationalen Clubs an der Europastraße zum Ölzentrum Ploesti. Dachfirst und Balkone dieses reizvollen Hauses sind mit zahllosen kleinen Glöckchen aus Nordrumänien verziert, die im Wind einen vielstimmigen Chor erklingen lassen. Gleich daneben zeigt das „Museum der Akademie für feudale Kunst“ Gebrauchsgegenstände und Kunstwerke aus dem Mittelalter.

Ein paar Schritte weiter erhebt sich – unübersehbar, massiv, klotzig, im frühsozialistischen „Zuckerbäckerstil“, aber im Inneren praktisch und funktionell – das 1950 erbaute „Haus der Scintea“, das Druckerei- und Redaktionszentrum der Staats- und Parteipresse. Vor dem „Scintea“-Komplex, dessen Verwandtschaft mit Moskauer Bauten, mit dem Kulturpalast von Warschau und der ehemaligen Stalin-Allee in Ostberlin nicht zu übersehen ist, erinnert eine riesige Leninstatue daran, daß sich der Besucher in einem kommunistisch regierten Land befindet.

Knapp 200 Meter davon entfernt ragt die moderne Glaskuppel der Ausstellungshalle als ein Beispiel zeitgenössischer rumänischer Architektur empor: Drehscheibe der mannigfachen wirtschaftlichen Beziehungen eines Landes, das in wenigen Jahren den Sprung vom rein landwirtschaftlich strukturierten Staat zur Industrienation vollzog. Vom Vorplatz der Ausstellungshalle gelangt man über die Kisselef-Chaussee rasch zum Triumphbogen, der 1920 nach Pariser Vorbild zur Erinnerung an die rumänische Armee des Ersten Weltkrieges erbaut und vom damaligen König eingeweiht wurde. Hier erweist sich zum erstenmal sichtbar die Richtigkeit des Vergleichs: Bukarest, das Paris des Ostens.

Ehe man jedoch zum Triumphbogen gelangt, lohnt sich ein Besuch im „Dorfmuseum“, das am Rande des Herastrau-Parks eine einmalige Sammlung von über 200 Originalbauten aus allen Landesteilen zeigt. Kirchen, Häuser, Mühlen, Ställe und Scheunen, die Wohngebäude zum größten Teil komplett eingerichtet, erzählen von den jahrhundertealten künstlerischen Traditionen der rumänischen Landbevölkerung. Die als Freiluftmuseum angelegte Ausstellung wurde im wahrsten Sinne des Wortes aus ganz Rumänien zusammengetragen. Alle Bauten wurden an ihrem früheren Standort sorgfältig zerlegt und in Bukarest wieder zusammengefügt.

So durchwandert der Besucher von Baneasa bis zum Triumphbogen ein paar Jahrhunderte rumänischer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Die City mit ihren breiten Boulevards, winkeligen Gassen, ihren Schlössern und Kirchen, Museen und modernen Wohn- und Geschäftsleuten spiegelt diese Geschichte vielhundertfach wider.

Wer Bukarest als Tourist besucht, tut gut daran, sich rechtzeitig um ein Hotelzimmer zu kümmern. In dieser Stadt mit über 1,5 Millionen Einwohnern gibt es nur ein knappes Dutzend Hotels für Ausländer, von denen nicht alle verwöhnten Ansprüchen genügen. Abhilfe verspricht sich das rumänische Touristenamt jetzt vom neuen „Bukarest-Intercontinental“, das soeben eröffnet wurde (siehe nebenstehenden Bericht) und mit seinen 26 Stockwerken zu einem neuen Wahrzeichen der Hauptstadt geworden ist. Es ist der modernste Hotelneubau in Osteuropa.