Von Jürgen Claus

Ein Planet auf unserem Planeten Erde. Ein Gegenplanet: Planet veränderter Erfahrungen, Herausforderung eines anderen Lebens. Bewegung meint nicht mehr das übliche Trampeln oder das motorisierte Gehäuse. Kommunikation wird eher akustisch als visuell bedingt. Endpunkt könnte eine Symbiose von Tier und Mensch werden: der Kiemenmensch, der sich unabhängig macht von mechanischem Atmungszubehör. Dieser Mensch schließlich wird sich unabhängig auch von unserer geistigen Tradition machen. Eine Mutation des Menschen?

Klingt das nicht alles sehr spekulativ? Argumente sind leicht zur Hand. Den einen ist das alles Science-Fiction, Dinge für das dritte Jahrtausend, aber nicht für die Gegenwart. Den anderen paßt das nicht in ihr ökologisches Gegenwartsbild: Die Meere, Ablagerungsstätte für Gift und Waffen, sind heute schon so vom Menschen und seinen Giftspuren zerschunden, daß ein Planet Meer keine Zukunft mehr hat. Zumindest nicht als Ort für menschliches Leben

Und dann noch Kunst Unterwasser, also ein weiterer Faktor, die ausbalancierte Ökologie der Meere zu zerstören? Massen von Zuschauern tauchen in die Meere hinab, hinterlassen nun auch da ihre Spuren, Museumsdirektoren Unterwasser, Zufahrtswege für Schulen, 1984 Unterwasser, Orwell acquaticus?

Ich höre diese Argumente, seitdem ich mich mit einer Kunst Unterwasser beschäftige, und es besteht wenig Aussicht, mich durch ein solches Gestrüpp von Vorurteilen hindurch verständlich zu machen. Mehr als gewöhnlich ist mein Planet Meer auf den Begeisterten angewiesen, der mit Auto und Schuhen auch seine vorschnelle Argumentation am Ufer läßt, eintaucht in eine andere Dimension, der bereit ist, seine traditionelle Orientierung aufzugeben, fähig, die Herausforderung durch dieses andere Medium anzubahnen. Ein neuer Adam, Adam acquaticus.

Er weiß sich in den drei Dimensionen Unterwasser zu bewegen. Er taucht ins Wasser ein, das für ihn die Symbole seines Traumes bereithält: ein neues Zeitalter, das Zeitalter der Meere. Die Meere sieht er nicht mit den harpunierten Augen des Sporttauchers, der dem Fisch die Waffe ins Gehirn rennt. Er sieht die Meere nicht mit den profitgeilen Augen des Konzernherren, der Mineralien abbaut, Erze abbaut, Die zutage fördert, das sogenannte Neuland Ozean auf Gewinn abklopft. Mit den Militärs Unterwasser hat er nichts, aber auch gar nichts gemein.

Er, Adam acquaticus, setzt sich an die Spitze einer anderen Konzeption. Planet Meer ist für ihn die geistige Konzeption des Meeres. Die geistige Konsequenz des Meeres. Kunst und Umwelt Unterwasser sind für ihn nicht ästhetische Beiprodukte, etwa aus unserer „Trockenzivilisation“ (Rudolf Doernach) unters Meer Versetztes. Kunst ist für ihn etwas qualitativ anderes als ein visuelles Angebot.