Sprache und Manipulation
Georg Klaus: „Sprache der Politik“; VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Ostberlin 1971, 294 S., 14,– DM.
Die „Sprache der Politik“ ist in der DDR, in der die „Macht des Wortes“ so gewaltig hoch eingeschätzt wird, ein eher heikler Gegenstand für erkenntniskritische Analytiker wie Georg Klaus. Aber er riskiert wenig: Einmal gibt er seine Studie als Beitrag zu einer Lehre der „wissenschaftlich geleiteten sozialistischen Agitation“ aus, zum anderen benutzt er die esoterische Terminologie der Informationswissenschaft und Semiotik (Lehre von den Zeichen). Die Adressaten scheinen also die politischen Technokraten des Systems zu sein, eine überschaubare und doch wohl zuverlässige Gruppe.
Klaus will „die Sprache der Politik auf die Höhe der Zeit heben, um die Wirksamkeit der sozialistischen Agitation zu erhöhen“. Ein solches Programm könnte marxistischen Traditionalisten in der Bundesrepublik gewiß auch gut bekommen. Das Verharren in den Sprachgettos überkommener Begriffsrituale garantiert den betreffenden Gruppen ihre gesellschaftliche Randposition.
Man täte Georg Klaus Unrecht, sähe man sein Buch nur unter „politischen“ Aspekten (so sehr auch Kapitel wie das über den Agitatorischen Gebrauch und Mißbrauch der Worte“ oder „Über Wesen und Methoden der Manipulation“ dazu anregen mögen). Auch zur allgemeinen Sprachtheorie und zur Analyse der sprachlichen Elemente politischer Ideologien bietet er Beachtliches. Bedenkt man, wie sehr Erkenntnis durch das jeweilige begriffliche Instrumentarium bestimmt wird und wie sehr dieses Instrumentarium an die Gruppe, Klasse oder Gesellschaft gebunden ist und im Interesse der jeweiligen Kollektive manipuliert wird, so kann der Wert derartiger Untersuchungen gar nicht überschätzt werden. Martin Jänicke





