Unsere Zivilisation steht heute am Anfang einer schweren geistigen Krise. Akademiker, Industrielle und Journalisten beschäftigt die Möglichkeit, daß der Computer irgendwie beweisen wird, „das Gehirn sei lediglich eine Maschine aus Fleisch“. Allein eine solche These zu erwägen bedeutet, den Nutzen der Freiheit des Menscheil, seiner Würde und seiner Autonomie in Frage zu stellen. Wie hat der Computer zur Entstehung dieser betrüblichen Sachlage beigetragen?

Wir müssen uns darüber klar sein, daß ein Computer nichts ist ohne ein Programm. Ein Programm ist im Grunde die Umwandlung eines Computers in einen anderen, welcher autonom ist und – in einem sehr realen Sinne – ein Verhalten besitzt. Programmiersprachen beschreiben dynamische Prozesse.

Wir können Programmodelle für jeden beliebigen Aspekt der realen Welt, der uns interessiert, konstruieren, und wir können diese Modelle arbeiten lassen. Doch müssen wir uns immer vor Augen halten, daß ein Computermodell eine Beschreibung ist, die da arbeitet.

Wenn wir gemeinhin davon sprechen, daß A ein Modell von B sei, so meinen wir damit, daß eine Theorie über irgendwelche Aspekte des Verhaltens von B zugleich eine Theorie der gleichen Aspekte des Verhaltens von A sei. Eröffnen uns die Programmiersprachen neue Möglichkeiten des Ausdrucks, so entbinden sie uns doch keineswegs von der Verpflichtung, verfechtbare Theorien aufzubauen. Denn auch Fehler können mit äußerster Präzision und Beredsamkeit behauptet werden, aber dadurch werden sie noch nicht in Wahrheit verwandelt.

Die fehlende Unterscheidung zwischen Beschreibungen (selbst solchen, die „funktionieren“) und Theorien erklärt weitgehend, warum diejenigen, die den Menschen nicht als Maschine sehen wollen, in die Defensive gedrängt worden sind. Neuere Fortschritte im Verstehen natürlicher Sprachen durch Computer sind ein gutes Beispiel. Die Linguisten Halle und Chomsky am Massachusetts Institut für Technologie haben lange an einer Sprachtheorie gearbeitet, der jedes beliebige Modell sprachlichen Verhaltens genügen muß. Während ihre Erfolge von ihresgleichen gefeiert und bisweilen von anderen verdammt werden, sind sie weiterhin von zwei Dingen überzeugt:

erstens, daß sie eines Tages widerlegt werden durch Forscher, die auf ihren Schultern stehen und Fehler und Armseligkeit ihres Systems aufdecken, und

zweitens, daß ihre Ergebnisse notwendige Schritte auf dem Wege zu diesem künftigen Fortschritt sind. Insofern sind sie Teil der großen wissenschaftlichen Tradition.