Die Entscheidung fiel schnell: Am 21. November 1971 flog die amerikanische Chartergesellschaft „Modern Air“ zum letztenmal von Saarbrücken nach Berlin. Bald darauf verkündete die US-Liniengesellschaft Pan Am, sie sei bereit, ab Mitte Februar einen Liniendienst zwischen beiden Städteneinzurichten. Noch vor anderthalb Jahren hatte die Pan Am kein Interesse an dieser Route: „Die Prognosen waren nicht gut.“

Jetzt weiß man es besser, denn von März bis November letzten Jahres flog Modern Air mit einem zwölfsitzigen Hansa-Jet zwischen Berlin und Saarbrücken. Diese zwölf Plätze reichten schon bald nicht aus. Die Verbindung nach Saarbrücken schuf nicht nur günstigere Verkehrsmöglichkeiten von Berlin zum Saarland, sondern auch nach Ostfrankreich, das bisher auf dem Luftwege nur über Paris zu erreichen war.

Wenn der Hansa-Jet zur Wartung mußte, setzte Modern Air regelmäßig eine Coronado CV 990 mit 149 Sitzen ein, durfte jedoch grundsätzlich nicht mehr als die zwölf genehmigten Passagiere befördern. Die Modern-Air-Manager hielten sich jedoch nicht immer an diese Auflage und beförderten manchmal mehr als 50 Personen.

So merkte die im Liniengeschäft unerfahrene Chartergesellschaft Modern Air sehr schnell, daß der ständige Einsatz einer Coronado auf der Saarbrücken-Strecke rentabler sein könnte als der Hansa-Jet, der nur Verluste brachte. Im Herbst beantragte die Modern Air bei den Luftfahrtattachés der drei Westmächte die Genehmigung, ab sofort mehr Passagiere befördern zu können, und zog den Hansa-Jet in Deutschland unverzüglich aus dem Verkehr – offenbar, um Druck hinter ihre Forderung zu setzen.

Die Bonner Vierergruppe – das Koordinierungsorgan zwischen den Westmächten und der Bundesregierung – lehnte den Antrag ab. Die Engländer hatten dagegen gestimmt, und der deutsche Vertreter hatte sich der Stimme enthalten, um in der Kontroverse keine der Westmächte zu verärgern. Gleichwohl gab es im Berliner Abgeordnetenhaus eine erregte Debatte, denn in Berlin wartet man seit langem darauf, daß die Stadt zusätzliche Verkehrsverbindungen erhält.

Immerhin hatte sich Modern Air von der Vierergruppe die vierte Absage geholt, denn zuvor waren schon Flugverbindungen von Berlin nach Kassel, Zürich und Amsterdam nicht genehmigt worden. Vor allem die wettbewerbsscheuen Engländer fürchteten sich, Präzedenzfälle zu schaffen, durch die dann weitere Fluggesellschaften am Linienverkehr von Westdeutschland, nach Berlin interessiert worden wären.

Die Aufregung über die Einstellung der Saarbrücken-Flüge von Modern Air veranlaßte dann jedoch sowohl die britische BEA als auch die Pan Am, Liniendienste auf dieser Strecke anzubieten. Sie mochten nicht einmal mehr abwarten, bis die im März ablaufende, aber auf zwölf Passagiere begrenzte Genehmigung für Modern Air erlischt. Das ungeduldige Taktieren der Modern Air und der Konkurrenzneid der BEA brachten der Pan Am einen neuen, profitversprechenden Liniendienst.