Vor einem Jahr präsentierte die größte deutsche Reederei, Hapag-Lloyd, voll Stolz ihr neues Flaggschiff. Mit frischem Make-up hatte es gerade nach einer mehrwöchigen „face-lifting-Kur“ die Werft verlassen. Nun sollte die „Bremen“ nach Amerika reisen und regelmäßig von New York mit Dollar-Passagieren in die Karibik auslaufen. Aber alles war umsonst. Die „Bremen“ heißt heute „Regina Magna“, statt unter deutscher fährt sie jetzt unter griechischer Flagge. Deutsche Passagiere, die der ehemaligen „Bremen“ treu bleiben, werden einige Veränderungen feststellen. Sie werden auf der „Regina Magna“ mehr Passagiere und weniger erstklassiges Personal antreffen.

In der Tat ist dies offenbar das einzige Rezept, mit dem heute in der Kreuzfahrt noch Geld verdient werden kann: Möglichst viele Passagiere, wenig oder billiges Personal. Das eine wollte Hapag-Lloyd nicht und das andere gibt es in Deutschland und für deutsche Schiffe nicht. Alters native: Noch luxuriösere Kreuzfahrt zu noch höheren Preisen, wie das zur Zeit etwa die „France“ demonstriert.

Die sich auf der anderen Seite anbahnende Demokratisierung der Kreuzfahrt aber läßt das Geschäft die ausländischen Reeder machen. Für die großen Reiseveranstalter bleibt deshalb keine andere Wahl, sie müssen ausländische Schiffe chartern.

Drei Urlauberschiffe sind in der Saison ’72 exklusiv für deutsche Veranstalter gechartert: Neckermann hat die italienische „Irpinia“ unter Vertrag – in der Wintersaison fährt wieder die sowjetische „Taras Shevchenko“ unter der NUR-Flagge. Die TUI-Gruppe charterte die jugoslawischen Schwesterschiffe „Istra“ und „Dalmacija“. Die „Istra“ ist Nachfolger für die „Jedinstvo“, die für Touropa seit Jahren auf Adriakurs kreuzte. Die „Dalmacija“, die auch von Transeuropa angeboten wird, kreuzt dagegen je nach Jahreszeit im Mittelmeer, und wenn das Wetter auch im Norden schön ist, in nordischen Gewässern.

Das einzige deutsche Kreuzfahrtschiff, das in den Katalogen der Reisefabriken Platz gefunden hat, ist die „Regina Maris“ der Lübeck Linie. Sie wird seit Jahren regelmäßig von Scharnow angeboten. Freilich hat der Hannoveraner Veranstalter nur ein Kontingent der Kabinenplätze gemietet.

Für die großen deutschen Kreuzfahrer „Hanseatic“, „Hamburg“ und „Europa“ will man mit neuen Ideen mehr Passagiere werben. So hat die Hapag-Lloyd für die kommende Saison neue Jugendrente entwickelt.

Junge Leute an Bord sollen die Kreuzfahrt attraktiver machen. Freilich, auf diese Idee sind schon mehrere Reedereien gekommen. Gescheiterte Versuche auf diesem Gebiet gibt es genug: Die American Express Reederei malte ihre Schiffe „Independance“ und „Constitution“ mit Pop-Farben an. Die Teens und Twens blieben dennoch aus, und beide Schiffe rosten jetzt ihrem Eide entgegen. Die Siosa-Line, die mit der „Caribia“ Kreuzfahrten im Mittelmeer veranstaltet, wollte ihren ehemaligen Südamerika-Liner für junge Leute populär machen. An den mißglückten Versuch erinnert eine Diskothek im Vorschiff.