Aus der Verteidigungsrede des sowjetischen Schriftstellers Bukowskij vor einem Moskauer Gericht:

„Der Prozeßverlauf wurde bestimmt von vielen Verstößen gegen das Recht. Die Anklageschrift, in der das Wort ,verleumderisch‘ dreiunddreißigmal, das Wort ,antisowjetisch‘ achtzehnmal vorkommt, enthält keinen konkreten Hinweis darauf, welche Tatsachen, die ich westlichen Korrespondenten mitteilte, verleumderisch, welche Schriften, die ich angeblich verteilt habe, antisowjetisch sind. Angeblich habe ich die antisowjetischen Schriften in Anwesenheit von Wolpin und Tschalidse übergeben, meiner Forderung aber, die beiden als Zeugen vor Gericht zu laden, wurde nicht stattgegeben.

Darüber hinaus wurde keiner der von mir benannten acht Zeugen, die die Aussagen über meine Haftzeit und über die Verhältnisse in den psychiatrischen Kliniken bestätigen können, vom Gericht zugelassen.

Wozu brauchte man diese Unterdrückung meiner Rechte, diese Anhäufung von Lügen und unbegründeten Anklagen? Wozu dient dieser Prozeß? Nur dazu, mich zu bestrafen? Nein ... Hinter der Anklage gegen mich, die hier vorgeschoben wird, verbirgt sich in Wahrheit etwas ganz anderes: Mit der gewaltsamen Unterdrückung meiner Person versuchen die Unterdrücker diejenigen einzuschüchtern, die bereit sind, der ganzen Welt die Wahrheit über diese Unterdrücker zu berichten.

Unsere Gesellschaft ist immer noch krank. Sie krankt an der Angst, die in der Stalin-Ära über uns gekommen ist. Aber der Prozeß der Aufklärung hat in der Sowjetunion schon begonnen und kann nicht mehr unterdrückt werden.

Ich werde meine Überzeugung nicht widerrufen, und ich werde sie gegenüber allen, die sie hören wollen, weiter aussprechen – wie lange man mich auch immer einsperren mag.“