Von Frank Grätz

Für den sprichwörtlichen „kleinen Mann“ gibt es keinen Zweifel: Wer einmal den Sprung nach ganz oben geschafft hat, der wird mit Extras geradezu überschüttet. Der Spitzenmann läßt sich seinen Gärtner und die Perle des Hauses vom Betrieb stellen, er hat Tag und Nacht einen komfortablen Dienstwagen nebst Chauffeur zur Verfügung oder fliegt im Firmen-Jet mitsamt Familie (oder Freundin) in ferne Länder.

Ganz so rosig ist es um die Zusatzleistungen für deutsche Führungskräfte nicht bestellt. Nur ein relativ kleiner Teil von ihnen erhält zum Beispiel einen Dienstwagen zum alleinigen und privaten Gebrauch. Die Gehaltsstruktur-Untersuchung 1971 der Kienbaum Unternehmensberatung bestätigt dies: Auf der obersten Ebene der Führungskräfte in der Bundesrepublik dürfen nur 24 Prozent einen Dienstwagen privat und exklusiv benutzen.

Der Dienstwagen ist weit mehr eine funktionsabhängige Dreingabe als ein Statussymbol. Das zeigt sich auch darin, daß Verkaufs- und Niederlassungsleiter am meisten in den Genuß des kostenlosen Autos kommen. Erst für Geschäftsführer und Vorstände ist der Dienstwagen selbstverständlich. So hatten 1970 80 Prozent der Geschäftsführer aller bundesdeutschen GmbH einen Dienstwagen, den sie auch privat nutzen konnten. Bei einem Jahresgehalt über 100 000 Mark wird normalerweise auch der Chauffeur gestellt.

Die Vorstandsmitglieder der Deutschen Bank erhalten einen 300er Mercedes als Dienstwagen. Der Vorstand von Mercedes kann sich gar einen Wagen bis zur 6,3-Liter-Klasse aussuchen. Dafür sind die Automobilunternehmen bei der Wahl der Marke streng: Führungskräfte dürfen nicht „fremd“ fahren.

Dieses Gebot gilt sogar teilweise für die Zulieferer. Als bei einer großen Zulieferfirma von VW ein neuer Personalleiter eingestellt wurde, mußte er trotz persönlichen Protests seinen Mercedes verkaufen und mit seiner großen Familie auf einen Volkswagen umsteigen.

Bei Politikern werden übrigens strenge Maßstäbe angelegt. So fährt die Bonner Prominenz unterhalb der Staatssekretäre meist ohne Chauffeur. Der Kanzler hat Anrecht auf einen Mercedes 300 SL – mit Fahrer natürlich. Die Minister benutzen normalerweise einen Mercedes 280. Nur Karl Klasen, der Präsident der Bundesbank, reist vornehmer. Für seine Auslandsreisen hat ihm die Deutsche Bank einen Mercedes 600 zur Verfügung gestellte.