Die Stockholmer Zeitung „Expressen“ druckte in der vergangenen Woche ein Gespräch, das einer ihrer Mitarbeiter mit dem Ostberliner Marxisten und Physiker Robert Havemann geführt hatte, und zwar in der Wohnung des Schriftstellers Wolf Biermann. Dieser legt Wert darauf, daß die folgende Erklärung dazu bekannt wird:

Seit Tagen kursiert über West-Sender und -Zeitungen ein Interview meines Freundes Robert Havemann. Das Interview entstand aus einem Gespräch, zu dem sich der schwedische Interviewer kurze Notizen machte. Der Schwede hat das Deutsch Robert Havemanns so verstanden, wie er konnte und wie er wollte. Der Text, der aus diesen Notizen dann in Schweden aufbereitet wurde, ist nun ins West-Deutsche zurückübersetzt worden. In diesem sogenannten Interview wird Robert Havemann hingestellt, als sei er der Meinung, daß die Zustände in der DDR genauso überstanden werden müßten wie die des Hitlerfaschismus. Aus sämtlichen bisherigen Äußerungen Robert Havemanns geht hervor, daß er die DDR, trotz ihrer monopolbürokratischen Mängel, für den besseren Staat in Deutschland hält. Dabei wird niemand leugnen wollen, daß diese von einem Antifaschisten regierte bürgerlich-demokratische BRD politisch und moralisch weit über dem einstigen Nazi-Deutschland steht. Eine wie auch immer gemeinte Gleichsetzung der DDR mit dem Staat Hitlers kann und darf einem Mann nicht in den Mund gelegt werden, der bei den Nazis in der Todeszelle saß und der einer jener Kommunisten ist, die die DDR mitbegründet und aufgebaut haben... Ich bin sicher, daß Robert Havemann sich schnell, deutlich und öffentlich von dieser erbärmlichen Hetze distanziert – seine bisherige Position für den Sozialismus und für die DDR würde sonst zu einer reaktionären Pose verkommen. Wolf Biermann