• Indochina

Der amerikanische Präsident Nixon hat am Dienstag den – nach seinen Worten – „ausführlichsten Friedensplan“ für Indochina vorgelegt. Er sieht vor, daß die USA und ihre Verbündeten alle Truppen aus Vietnam innerhalb von sechs Monaten nach Unterzeichnung eines Abkommens zurückziehen, das zu einer Waffenruhe in ganz Indochina führen wird. Parallel dazu, am gleichen Tage beginnend, sollen alle gefangenen Soldaten und Zivilisten freigelassen werden.

Die politische Zukunft Südvietnams soll in freien, geheimen, demokratischen und von neutralen Beobachtern überwachten Wahlen entschieden werden, und zwar sechs Monate nach Unterzeichnung des Abkommens. An dieser Wahl wird sich auch die Nationale Befreiungsfront (Vietcong) beteiligen können. Eine mögliche Wiedervereinigung bleibe Hanoi und Saigon vorbehalten; Einmischung von außen soll ausgeschlossen sein.

Dieser Plan stellt nach Nixons Erklärung die Antwort auf den Sieben-Punkte-Plan Hanois dar, den die USA, wie gewünscht, geheim beantwortet hätten. Präsidentenberater Kissinger hat seit Mitte 1969 mehrfach in Paris vertraulich mit den Nordvietnamesen über eine Beendigung des Krieges gesprochen. Die USA wollen ihren Entwurf offiziell bei den Pariser Friedensgesprächen einbringen. Die politische Führung Saigons hat sich einverstanden erklärt.

  • Nahost

Die Kairoer Studenten sind mit Präsident Sadats scheinbar unentschlossenem Kurs nicht länger einverstanden. Von Mittwoch bis Freitag voriger Woche demonstrierten sie für den Krieg mit Israel und gegen die jüngste Regierungsumbildung. Wie ernst Sadat die innenpolitische Gefahr nimmt, beweist sein Empfang für oppositionelle Gruppen, denen er am Dienstag Rede und Antwort stand. Am selben Tag kam es wieder, zu Unruhen.

Nach zwei Vorstößen in den Libanon – dem Frankreich Waffenlieferungen zugesagt hat – griff Israel in der vorigen Woche auch Guerilla-Stützpunkte in Syrien an. Eine friedliche Beilegung des Nahost-Konflikts ist wieder in weite Ferne gerückt: Kairo hat sich möglichen neuen amerikanischen Vermittlungsversuchen verschlossen. Aus Washington war dagegen bekannt geworden, die USA wollten Israel weitere Phantom-Düsenjäger liefern, wenn es bereit sei, sich an indirekten Friedensgesprächen zu beteiligen.