Als „guter Bürger des ersten sozialistischen deutschen Staates und treuer Kämpfer für die Sache des Kommunismus“ ist dieser Tage ein Mann bezeichnet worden, dem solche Titel gerade in jener DDR verweigert werden, als deren Gewissen er sich fühlt: Robert Havemann. Er wurde auf diese Weise nicht etwa vom „Klassenfeind“, sondern vom theoretischen Organ der italienischen Kommunisten Rinascita gepriesen.

Die Würdigung, welche die KPI der nun auch in Italien erschienenen Autobiographie des ketzerischen deutschen Kommunisten widmet, ist nicht zufällig im gleichen Augenblick gedruckt worden, da Havemann sich wieder einmal bei den Oberen seines Staates durch ein kritisches Interview für die schwedische Presse mißliebig gemacht hatte. Aber, so heißt es in der Rinascita mit dialektischer Konsequenz: „Die kritische Analyse, der Havemann den deutschen Sozialismus unterzieht, macht im gewissen Sinne den Schaden wieder gut, den die Verfolgung Havemanns dem Sozialismus angetan hat.“ Freiheit sei nämlich nicht nur für Havemann nötig, sondern „auch für die Genossen, die sozialistische Kollektive leiten und die ohne die Kontrolle der freien Kritik immer wieder riskieren, von den Massen getrennt zu werden“.

Für die italienischen Kommunisten, die dreißig Prozent der freien Wähler ihres Landes hinter sich wissen, ist das keine bloße Theorie. Havemann gehört zu den– freilich dünn gesäten – Zeugen ihrer Glaubwürdigkeit. hjst.

Siehe auch Seite 10