Neu in Museen und Galerien: Düsseldorf Bis zum 27. Februar, Städtische Kunsthalle: „Julio Le Parc“

In jedem seiner zahlreichen Interviews und in jedem persönlichen Gespräch betont Julio Le Parc und ist stolz darauf, daß er sich des Widerspruchs bewußt sei, als Künstlerexperimentator in einer kapitalistischen Gesellschaft zu arbeiten. Die Teilnahme an der letzten documenta hatte, er als Protest gegen den Kulturbetrieb verweigert. Gegen diese erste deutsche Gesamtausstellung indessen hatte er nicht nur nichts einzuwenden, er hat sie selber in Düsseldorf arrangiert und großen Wert darauf gelegt, sämtliche Phasen seiner Arbeit von 1959, seiner Ankunft in Paris, bis 1971 in aller Ausführlichkeit zu belegen. Er hat auch den umfangreichen und lesenswerten Katalog verfaßt, wo auf jeder Seite diese bewußte Widersprüchlichkeit manifest wird. Er persönlich gebe seinen Arbeiten keinen Eigenwert, „weder als Kunstwerk noch als Vorbild“, und es seien die bösen Kritiker, die „Experten“, die seine Arbeiten ästhetisch fehlinterpretieren. Aber alle prinzipiellen Bedenken gegen die Kunst und die Rolle des Künstlers in der Gesellschaft hindern ihn nicht, seit zwölf Jahren selber Kunst zu machen, kinetische Kunst, in zunehmender Perfektion, und die verschiedenen Phasen der Entwicklung, vom „Standortwechsel“ über „Drehungen“ zum „pulsierenden Licht“ und zur „Lichtprojektion“ werden in der Ausstellung mit sehr guten Beispielen belegt und im Eigenkommentar auch theoretisch gewürdigt. Es ist sein persönliches Problem, daß die politisch revolutionäre Ambition mit der künstlerischen Realisation nicht zur Deckung kommt und die ihm verhaßte Gesellschaft seine Arbeit in jeder Weise honoriert: Julio Le Parc hat es nicht abgelehnt, den Großen Preis der Biennale 1966 entgegenzunehmen. Dieser ungewöhnlich produktive und originelle Kinetiker sträubt sich gegen die für ihn bittere Einsicht, daß „Licht und Bewegung“ von sich aus keinen politischen Stellenwert haben. Das wird gerade auch an seiner neuesten Kreation, der „Salle de jeu“, evident Da gibt es vibrierende Spiegel und Federsessel, Spiele mit Pingpongbällen, Krachelemente und ein Dutzend Brillen gegen die normale Sicht von Wirklichkeit und kinetische Lichtspiele. Alle diese Apparaturen treten erst in Aktion, wenn der Besucher sie betätigt („Ausschaltung der Distanz zwischen Betrachter und Werk“). Und weil die kinetischen Dinge politisch nichts hergeben, kommt Julio Le Parc mit dem revolutionären Holzhammer, in der Form von „Jeux-en-quetes“. Da darf man Pfeile auf die Zielscheibe werfen, wo („Erkenne Deine Feinde“) der „Imperialista“ und „Capitalista“ und, weiter am Rand, der „Policia“ eingezeichnet sind. In anderen ebenso naiven Spielchen geht es darum, die Mythen zu stürzen und die Etablierten zu schlagen. Und es ist peinlich zu sehen, wie ein Künstler unter sein Niveau geht, um sich politisch zu engagieren.

Hannover Bis zum 20. Februar, Kunstverein: „Schweizer Zeichnungen im 20. Jahrhundert“

Das Schweizerische Institut für Kunstwissenschaft in Zürich hat diese Wanderausstellung gründlich und gewissenhaft vorbereitet, jeder der Schweizer Künstler, ob Klee oder Meyer-Amden oder die drei Giacomettis, sind mit besten Beispielen vertreten. Und was die Auswahl der Künstler angeht, so hat man glücklicherweise gar nicht erst versucht, sie auf spezifisch schweizerische Qualitäten abzustellen. Es wird vielmehr die Internationalität der Schweizer Künstler dokumentiert, die sich ohnehin weitgehend mit der Kunstgeschichte anderer Länder identifiziert haben. Das gilt schon für Valloton und Obrist, aber auch für Itten, Le Corbusier oder Tinguely. Kunstpolitisch besonders interessant und außerhalb der Schweiz bisher kaum gewürdigt ist die Rolle der „Allianz“, die 1936 in Zürich gegründet wurde, ein Refugium für die progressiven Kräfte, die in Deutschland unterdrückt wurden. Gottfried Sello

Wichtige Ausstellung:

Bielefeld Bis zum 5. März, Kunsthalle: „Schrecken des Krieges“

Ähnlich wie in Köln das Wallraf-Richartz-Museum mit seiner antimilitaristischen Jugendausstellung bringt Bielefeld eine Auswahl europäischer Graphik über die Schrecken des Krieges von Callot bis zur jüngsten Gegenwart (Schoofs und Kappeler).