Die konzertierte Preisaktion deutscher Autofirmen war für die Süddeutsche Zeitung „die logische Folge einer extremen Lohnpolitik“ und „ein ärgerlicher Faux pas“ für die Frankfurter Rundschau. Die Autobosse halten es mit der Süddeutschen: Um das gewohnte Gewinniveau zu halten, müssen Autos immer dann teurer werden, wenn die Kosten steigen – seien es Lohn- oder Materialkosten.

An Kostensteigerungen hat es im vergangenen Jahr nicht gefehlt. Und es kommen noch die Verluste aus der Zeit der freien Wechselkurse, die schließlich mit einer Aufwertung der Mark endeten, hinzu. Deutsche Autofahrer werden einen Teil der ausländischen Zeche in diesem Jahr mitbezahlen: Weil alle Firmen jetzt bei den Gewinnen im Ausland Abstriche machen müssen – eine Folge der Aufwertung –, wird im Inland ein Ausgleich gesucht.

Ob die Rechnung aufgeht, hängt allein von der Kauflust deutscher Autofahrer ab. Denn gestiegene Kosten sind für Preiserhöhungen nur ein Argument – entscheidend ist, ob „der Markt noch genug hergibt“. Bisher hat er genug hergegeben: Seit Ende 1969 wurden die Autopreise in vier Runden herauf gezeichnet. Die Autokäufer hat das nicht gestört, bis Ende des vergangenen Jahres war die deutsche Produktion stets ausverkauft.

Inzwischen aber macht sich ein Nachlassen der hektischen Nachfrage bemerkbar, und die Industrie rechnet erstmals seit vier Jahren mit insgesamt niedrigeren Produktionszahlen. Achim Diekmann, Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie: „Es ist nicht auszuschließen, daß die Produktionsziffern abrupt nach unten korrigiert werden müssen.“

Die Preiserhöhung in dieser kritischen Situation birgt kein zusätzliches Risiko. Denn die Annahme, daß die Käufer wegen höherer Preise den Autokauf vertagen, hat sich bisher niemals bestätigt. Das einzige, was die Deutschen vom neuen Auto Abstand nehmen läßt, sind Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit, wirtschaftliche Unsicherheit und Rezession.

Ob die Autorechnung aufgeht, wird somit in Bonn entschieden. Gelingt es, den Boom zu sanieren, hat auch die Autoindustrie Boom, gibt es eine Rezession, dann bricht der Automarkt als einer der ersten zusammen. Aber selbst dann ist es noch besser, wenig Autos zu höheren Preisen als genauso wenig zu unveränderten Preisen zu verkaufen. rod