Die Reisebranche ist wieder in Bewegung geraten. Gerüchte der letzten Wochen haben sich bestätigt. Ab 1. November 1972 hat die Touristik Union International (TUI) eine sechste Tochter: Transeuropa. Die beiden Transeuropa-Gesellschafter, die Kaufhaus-Konzerne Quelle und Karstadt, werden bis 1980 nach und nach 25 Prozent des Gesellschafterkapitals der TUI übernehmen, das jetzt auf 30 Millionen Mark erhöht wurde. (Siehe auch ZEIT Nr. 3 „Wächst der Reise-Riese weiter?“)

Die neue Fusion im Reisegewerbe schafft zunächst einmal imponierende Zahlen. Rechnet man die Teilnehmer des Jahres 1971 der bisherigen TUI-Töchter (Scharnow, Touropa, Hummel, Tigges und airtours) mit den Transeuropa-Kunden zusammen, so ergibt sich eine Bilanz von rund 1,7 Millionen Reisenden. Konkurrent Neckermann liegt weit abgeschlagen mit 600 000 Reisenden auf dem zweiten Platz.

Dem Urlauber mag angesichts dieser Rechnung schwindeln. Das ändert nichts an der einfachen Wahrheit, daß billige Charterreisen zu fast jedem Punkt dieser Erde nur noch in Form des Massentourismus produziert werden können. Der Teufelskreis Wachstum schließt sich unerbittlich. Erst wurde der Bedarf geweckt. Dann avancierte die Reise zum Konsumartikel. Schließlich konnten die Veranstalter den Massenansturm nur noch mit Hilfe elektronischer Rechner bewältigen. Jetzt verlangen die Computer ihr Recht: Sie rentieren sich nur bei noch größeren Zahlen.

Frühestens im Winter, wahrscheinlich aber erst im Sommer 1973, wird die Fusion praktische Auswirkungen haben: Dann liegt das Transeuropa-Programm auch in den TUI-Verkaufsstellen, und umgekehrt wird die TUI ihr Programm in den Quelle- und Karstadt-Kaufhäusern anbieten. Man will auf diese Weise noch mehr Einzeltouristen für die Pauschalreise gewinnen.

Bei Neckermann verfolgt man die neue Entwicklung mit Gelassenheit: „Die Mobilität des Riesenkonzerns TUI wird durch die Fusion bestimmt nicht größer!“ N-U-R-Pressesprecher Euler begrüßt aber die jetzt von der TUI sanktionierte Liberalisierung der Vertriebswege. „Die, Verteufelung des Reisegeschäfts über die Kaufhäuser dürfte damit ja erledigt sein!“ Bedauert wird in Frankfurt dagegen, daß es jetzt praktisch Preisabsprachen für rund zwei Millionen Reisen im Jahr gibt.

Zur Ruhe wird der Markt noch lange nicht kommen. Gerüchte wollen wissen, daß sich noch in diesem Jahr Kaufhof-Reisen an N-U-R oder die TUI anlehnen möchten, und im nächsten Jahr steht uns dann der Preisbrecher aus Dänemark, Pastor Krogager, ins Haus. Ferdinand Ranft