Noch herrscht in Brüssel Ruhe vor dem agrarpolitischen Sturm, dessen Ausbruch die grünen Meteorologen spätestens für den dritten Tag nach der offiziellen Erklärung der neuen Währungsparitäten gegenüber dem Internationalen Währungsfonds voraussagen. Innerhalb dieser Frist muß der EWG-Ministerrat zusammentreten, um die Probleme zu lösen, die sich für den Gemeinsamen Agrarmarkt durch die endgültige Aufwertung von Mark, holländischen Gulden, belgisch-luxemburgischen Franken und durch die Abwertung der italienischen Lira ergeben.

Vier Möglichkeiten bestehen, um Nachteile aus der Konsolidierung des Washingtoner Wechselkurs-Realignments von der Landwirtschaft in den EWG-Ländern abzuwenden:

  • Eine Aufwertung der gemeinsamen Rechnungseinheit, des sogenannten „Grünen Dollars“, eine Fortsetzung des Systems des Grenzausgleichs,

• eine Manipulation der Mehrwertsteuer und

  • ein Ausgleich der landwirtschaftlichen Einkommensverluste aus nationalen Haushaltsmitteln.

Von diesen vier müssen zwei schon jetzt als ausgeschieden gelten: Einkommenszahlung und Grenzausgleich.

Bereits im Sommer des vergangenen Jahres hatte Landwirtschaftsminister Ertl seine EWG-Kollegen im Ministerrat wissen lassen, im Falle einer neuen Aufwertung der Mark komme ein Einkommensausgleich aus Steuermitteln nicht wieder in Frage. Ertl damals: „Es geht auf die Dauer nicht an, daß die Last der Versäumnisse auf dem Gebiet der gemeinsamen Währungspolitik nur einer Seite aufgebürdet wird.“