In Madrids Hochschulen patrouilliert die Polizei

Von Juan Ortega

Die Bilder in der Madrider Universitätsstadt erinnerten an die Szenerien historischer Kriegsfilme. Auf dem großen Rundplatz zwischen mehreren Fakultäten stand eine Schwadron berittener Polizei bereit, in einer langen Reihe formiert, davor der kommandierende Polizeioffizier, die Pferde mit bunten Decken geschmückt. Aus einem Fakultätsgebäude stürmten plötzlich Studenten; bewaffnete Polizisten – die famosen „Grauen“ – stürzten hinterher. Die Pferde bewegten sich darauf langsam und würdevoll auf die unruhige Fakultät zu; etwa dreißig Meter vor dem Gebäude formierten sie sich neu.

Zehn Minuten später kamen der Lärm und die Schreie „Policía, asesinos“ (Mörderpolizei) aus einem anderen Gebäude. Die Reiter machten kehrt, aber sie griffen noch nicht ein; denn die schmutzige Arbeit hatten schon ihre Kollegen zu Fuß erledigt. Die Studenten waren kaum zum Angriff gekommen, denn es hatten ihnen die Waffen gefehlt: Steine. Einige wurden von den „Grauen“ verhaftet, andere konnten unter den Schlägen der Gummiknüppel gerade noch entkommen.

Vor dem runden Platz standen drei oder vier große schwarze Autos vom lokalen Oberkommando, Polit-Polizisten in Zivil, die den Einsatz im Nordteil der Universitätsstadt leiteten. Etwas weiter südlich waren die „Grauen“ überraschend in die Flucht geschlagen worden; nach zwei Minuten kamen sie verstärkt zurück: in der linken Hand den vor Steinen schützenden Plastikschild, in der rechten die porra, den Gummiknüppel. Die Studenten flohen darauf in eine technische Hochschule, wo sie wiederum mit Polizei aneinandergerieten.

Das Kampf Zentrum hatte sich dann plötzlich zur Hochschule für Architektur hin verlagert. Gut hundert Polizisten rückten in mehreren Mannschaftswagen und Jeeps an. Im Gebäude fand eine Studenten Versammlung statt; die Polizei beschloß, sie aufzulösen und die Hochschule, wie es in ihrem Jargon heißt, „auszuräumen“. Die Studenten flohen aufs Dach und warfen von dort ihre Steine auf die Polizisten, die dank Plastikschilden das Portal trotzdem erreichten. Beim „Ausräumen“ gerieten sie – versehentlich oder gewollt – in eine Versammlung von Professoren, die gleich mit „ausgeräumt“ wurden. Als die Hochschullehrer protestierten, gerieten sie unter die Gummiknüppel. Mehrere mußten sich danach in einer Klinik behandeln lassen, unter ihnen der Hochschuldirektor. Er trat am Tag danach von seinem Posten zurück.

Die Zufahrtsstraßen zu der sehr großzügig angelegten Universitätsstadt waren abgeriegelt; ein Wagen mit Auslandskorrespondenten wurde hineingelassen. Eine halbe Stunde später waren auch die Journalisten verhaftet.