Der Krach um Arbeitgeber-Präsident Otto A. Friedrich hat den schwelenden Streit zwischen den Spitzenverbänden der Wirtschaft verschärft

Von E. W. Mänker

Der „Gemeinschaftsausschuß der deutschen Wirtschaft“ macht immer dann von sich reden, wenn Fritz Dietz, der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels, turnusmäßig sein Vorsitzender ist. Sechs Jahre lang ist diese Institution faktisch tot, aber im verflixten siebten Jahr ist der Gemeinschaftsausschuß in den Nachrichten-Spalten der Tageszeitungen zu finden. So war es 1965, so ist es 1972.

Diesmal war es das Votum zur Konjunkturpolitik, das der Gemeinschaftsausschuß, einzige Kammer der Spitzenverbände der Wirtschaft, am 19. Januar Minister Schiller abliefern sollte, damit es im Jahreswirtschaftsbericht 1972 berücksichtigt werden konnte. Dieser Termin wurde nicht unwesentlich überschritten. Die Spitzenverbände fanden keine gemeinsame Formel in der Frage, ob und gegebenenfalls wie stark die nachlassende Konjunktur von Staats wegen wieder angekurbelt werden sollte.

Der schließlich am 7. Januar mühsam gefundene Kompromiß hielt nur drei Tage, denn am 10. Januar erschien auf der Titelseite des Düsseldorfer „Handelsblatts“ der bemerkenswerte Ausspruch des Arbeitgeberpräsidenten Otto A. Friedrich: „Auch eine CDU-Regierung hätte die Preise nicht bremsen können“, was für Fritz Dietz Veranlassung war, die Absendung des Kompromißvotums zu stoppen und die Herren der Spitzenverbände zu erneuter Beratung und Revision des Papiers zu versammeln. Die Stabilitätspolitik erforderte jetzt eine andere Bewertung.

Umstrittene Kompetenzen

Daß ausgerechnet der Gemeinschaftsausschuß eine Stellungnahme zur staatlichen Konjunkturpolitik abzugeben hat, erscheint wie eine Sünde wider den Geist der geheiligten Organisationsprinzipien der deutschen Wirtschaft. Denn von solchen Sonderfällen abgesehen, pflegt die deutsche Wirtschaft gegenüber Öffentlichkeit und Regierung mit mindestens drei Zungen zu sprechen. Bundesverband der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und Deutscher Industrie- und Handelstag (DIHT) nehmen gleichermaßen das Recht für sich in Anspruch, sich zu Fragen der Konjunktur- und sonstigen Regierungspolitik zu äußern. (Im Gemeinschaftsausschuß sind neben diesen drei Organisationen auch noch der Groß- und Außenhandel, der Einzelhandel, der Bundesverband Deutscher Banken, das Handwerk und die Landwirtschaft vertreten.)