München

Von einer Schneelage kann man in diesem Winter in Bayern gar nicht reden. Es liegt nämlich keiner. Deshalb ist die Lage für das Skifahrervölkchen ausgesprochen betrüblich.

Ein bißchen überzuckert ist die Landschaft wieder, seit am Wochenende ein paar Stunden „leise rieselt der Schnee“ die Hoffnungen etwas aufgemuntert haben. Es hat nur dazu gereicht, für den Rückrundenbeginn in der Bundesliga auf den Fußballplätzen leisen Spott über das Ende der „Winterpause“ auszulösen. Aber schließlich ist Skifahren kein Rasensport.

So stehen viele Weihnachtsbrettl noch unerprobt im Keller, die leuchtfarbigen Anoraks hängen im Schrank, und die Skistiefel im Astronautenlook stehen ihnen „zu Füßen“.

Im bayerischen Oberland wird so viel geschwommen wie noch nie, weil die Winterurlauber ihren Bewegungssport in den Hallenbädern absolvieren. Auf trockenen Wanderwegen („im Winter täglich geräumt“ versprechen die Prospekte) treffen sich die Skihaserl mit den Hirschen, die sich pünktlich zur Wildfütterung („das Fremdenverkehrsamt veranstaltet Schlittenfahrten zu den Futterplätzen“) einstellen.

Die Skiliftbesitzer aber müssen die Daumen drehen, statt dieselben zum Zählen der Tageseinnahmen zu benutzen. Skischulen müssen ihre Lehrgänge absagen, und die Skilehrer können höchstens im Wirtshaussaal einen Trockenkurs abhalten, statt auf dem Idiotenhügel. Beliebteste Skikanonen dieses Winters sind nicht die Abfahrtsläufer, sondern jene Geräte, mit denen findige Erfinder künstlichen Schnee auf die Pisten pusten. Allerdings selten mit dauerhaftem Erfolg.

Der „grüne Winter“ droht – Scherz beiseite – eine wirtschaftliche Katastrophe für viele Wintersportplätze in Bayern zu werden, die sich erhebliche Investitionen für Pistenausbau, Lifte oder Bergbahnen geleistet haben. Ihre Verluste werden auch nicht mehr auszugleichen sein, wenn jetzt noch eine dicke Schneelast auf die Hänge fallen sollte.