Eine Viertelstunde lang glich das britische Unterhaus einem Fußballstadion. Premierminister Edward Heath wurde ausgebuht, und schließlich mußte die Fragestunde, zu der der Premier eigentlich erschienen war, abgesetzt werden. Störenfriede waren die Labour-Abgeordneten. Ihren Zorn hatten die Schlagzeilen der Mittagszeitungen vom 20. Januar erregt: Mehr als eine Million Arbeitslose in Großbritannien.

Mit dieser neuesten Zahl aus der britischen Wirtschaftsstatistik – es wurden genau 1 02 583 Arbeitslose gezählt – ist zum drittenmal die Millionengrenze überschritten; 1937 gab es 2,8 und – 1947 1,8 Millionen Arbeitslose. Seit dem Mini-Boom von 1969, als mit 594 000 Arbeitslosen der letzte Tiefstand erreicht worden war, sind die Zahlen ständig gestiegen. Eine der Wahlparolen des Wahlkampfes von 1970 galt der Arbeitslosigkeit: Die Konservativen wollten die Arbeitslosigkeit „mit einem Schlag senken“.

Doch die Rezepte der neuen Regierung versagten. Über 15 Milliarden Mark wurden über Steuersenkungen und Investitionshilfen in die Wirtschaft gepumpt. Doch die Arbeitslosenziffern stiegen weiter; 4,6 Prozent der Erwerbstätigen sind jetzt ohne Arbeit.

Indes, nicht nur England hat Sorgen mit der Arbeitslosigkeit: Italien meldet eine Quote von vier Prozent. Noch schlimmer steht es in Irland, wo neun Prozent beschäftigungslos sind. Deutschland und Schweden liegen am unteren Ende der Arbeitslosenstatistik. Frankreich veröffentlicht keine Arbeitslosenzahlen. Allerdings ist die Zahl der Stellungssuchenden im Vergleich zum Vorjahr um 39 Prozent gestiegen.

Ohne Sorgen ist die Schweiz. Dort zählt man zur Zeit bei 2,9 Millionen Erwerbstätigen 0,03 Promille Arbeitslose.

kde