Fünfzehn erschossene und sieben durch Bajonette tödlich verletzte Afrikaner, 49 Verletzte und wenigstens 30 bei der Verhaftung mißhandelte Demonstranten – das ist Rhodesiens blutige Bilanz der vergangenen Woche. In fünf Ortschaften – Salisbury, Que Que, Gwelo, Umtali und Shabani – ging die Polizei mit aller Härte gegen Afrikaner vor, die gegen das Abkommen Londons mit dem rhodesischen Premier Smith protestierten. Am Wochenende beruhigte sich die Lage; aber die Armee steht weiter in Alarmbereitschaft.

Anlaß der Unruhen wir das Erscheinen der britischen Kommission unter Lord Pearce, die in Rhodesien feststellen soll, wie weit die rund 5,1 Millionen Afrikaner dem Abkommen zustimmen, das ihnen – in freilich ferner Zukunft – politische Gleichberechtigung verspricht. Das „no, no, no“ der Menge war nicht mißzuverstehen. Auch die Stammes-Chiefs erklärten der Kommission am Montag, für sie sei das Abkommen unannehmbar.

In diesem Falle bleibt aber, wie Smith unterstrichen hat, die „Apartheid“-Verfassung von 1969 in Kraf:, die die Herrschaft der 243 000 Weißen auf allen Gebieten sichert. Der Premier ließ keinen Zweifel, daß er weiterhin mit allen Mitteln für Ruhe und Ordnung sorgen werde. Er kann dabei der Hilfe Südafrikas sicher sein, das bereits Polizeikräfte an Rhodesien „ausgeliehen“ hat.

Dennoch ist Smith von den Unruhen offensichtlich überrascht worden. In einer sonst unverständlichen Panikreaktion ließ er den früheren liberalen Premier Garfield Todd (1953–1958) und dessen Tochter festnehmen, weil beide, deren Stimmen bei den Afrikanern Gewicht haben, öffentlich das Abkommen verworfen hatten. London schickte deshalb den Leiter der Rhodesien-Abteilung im Foreign Office, Mansfield, nach Salisbury. Das Smith-Regime verweigerte jedoch Auskünfte über die Todds.

Nach Auffassung der britischen Labour-Opposition hat Rhodesien mit dem Vorgehen der Polizei jene Vereinbarung gebrochen, daß es während der Kommissionsbefragung für ein formales politisches Leben“ zu sorgen habe. Sie verlangt eine Rückkehr der Kommission, der sich jedoch Lord Pearce widersetzt hat.

Salisbury sieht hinter den Unruhen eine organisierte Widerstandsbewegung und macht den Afrikanischen Nationalkongreß dafür verantwortlich. Sein Leiter, Bischof Abel Murezowa, hat zwar seine farbigen Brüder dringend um Disziplin und Ruhe gebeten; aber da er selbst befürchtet, bald verhaftet zu werden, sind neue Gewalttätigkeiten nicht ausgeschlossen. Denn die Opposition hat sich in den letzten beiden Monaten überraschend schnell organisiert, wobei radikale Kräfte großen Einfluß gewonnen haben.