Kurz vor seiner Verabschiedung durch das Parlament in Bonn hat der Paragraph 26 des Urheberrechtsgesetzes, der deutschen Künstlern bei Weiterverkauf ihrer Werke einen Anteil von 5 Prozent sichern soll, Diskussionen bei allen Beteiligten ausgelöst und Fronten quer durch die Reihen geschaffen (siehe ZEIT vom 21. 1. 1972). Wird hier nur ein Vorteil für die ohnehin schon Arrivierten geschaffen? Werden Galeristen künftig „bestraft“ dafür, daß sie deutsche Kunst fördern? Wird durch den Unterhalt einer Verwertungsgesellschaft, der das Geld teilweise zufließen soll, das gewonnene Geld fast verbraucht? Ist der „Berufsverband Bildender Künstler“, der sich für das Gesetz stark macht, berechtigt, für alle Künstler zu sprechen? Wir werden die Diskussion weiter verfolgen und drucken hier einen Beitrag des Künstlers Klaus Geldmacher, der Mit-Initiator des Künstlerkongresses in Frankfurt (1971) war und Leiter der Arbeitsgruppe „Sicherung der Existenzbedingungen bildender Künstler“ ist.

Mit dem Frankfurter Kongreß der Künstler im Juni 1971 schien es gelungen zu sein, bildende Künstler – ungeachtet ihres unterschiedlichen gesellschaftlichen und ökonomischen Status – zu einem gemeinsamen solidarischen Handeln zu bewegen. Etliche namhafte Künstler hatten den Kongreß begrüßt oder aktiv unterstützt in der Hoffnung, hier erfolge die überfällige Reform der in Regionalgruppen zersplitterten Berufsverbände bildender Künstler; man erwartete überdies das Ende einer berufsständischen Politik, die die nichtorganisierten Kollegen eher attackiert als zur Mitarbeit angeregt hatte.

Ein halbes Jahr schon nach dem Kongreß muß festgestellt werden, daß der BBK („Berufsverband Bildender Künstler“) zwar die gesellschaftspolitisch beachtenswerte Zahl von 8000 Mitgliedern repräsentiert, aber die kulturpolitisch relevante Zahl der 100 renommierten Künstler zur Seite schieben will und damit deren Integration in den Verband verhindert.

Diese Arroganz der großen Zahl wird deutlich an der offiziellen Stellungnahme des BBK zur Novellierung des Folgerechts, des § 26 des Urheberrechtsgesetzes, die der Verband (richtiger: die beiden Präsidenten Anatol Buchholtz und Dieter Ruckhaberle) artikulierte.

Das Folgerecht, so heißt es da, verbessere die Position der Künstler gegenüber dem Kunsthandel. Es sei nicht zu bestreiten, daß zunächst einmal vor allem die vom Kunsthandel vertretenen, arrivierten Künstler von diesem Gesetz begünstigt würden. Ihr Widerstand gegen diese No volle ließe sich als Folge ihrer ökonomischen Abhängigkeit vom Kunsthandel erklären. Es würde sich jedoch erwirken lassen, daß dieses Gesetz einer breiteren Schicht der Künstler zugute komme. Unmittelbar nach erfolgter Novellierung des § 26 würde der BBK Vorschläge zur sinnvollen Durchführung der neuen gesetzlichen Vorschriften unterbreiten. Wenn das Gesetz unter Dach und Fach sei, wolle der BBK sich mit dem Kunsthandel über eine pauschale Abfindung verständigen.

Der BBK verplant mit dieser Strategie zur Durchsetzung des Folgerechts die Solidarität jener 100 Arrivierten, die ihrerseits gegen das Folgerecht in der vorgeschlagenen. Neufassung votieren (nahezu 50 unterschrieben – wahrscheinlich zu spät – eine Petition an den Bundestag). Der BBK ignoriert bewußt, daß der Kunsthandel vom Verkauf der 100 Erfolgreichen, nicht der 8000 Erfolglosen lebt.

Doch wie will der Verband diese Gruppe für sich gewinnen, wenn er deren Widerstand gegen die Gesetzesnovellierung abqualifiziert als Beweis der Abhängigkeit vom Kunsthandel? Und warum überhört der BBK die Forderungen nach Schaffung eines Sozialfonds für eine wirksame Alters- und Krankenversicherung auf der Basis von Abgaben des Kunsthandels (anonymes Folgerecht)?