An den internationalen Aktienbörsen steigen seit einem halben Jahr die Kurse ununterbrochen nach oben. Geldanleger, die jetzt an der Hausse profitieren wollen, finden ein breites Spektrum attraktiver Möglichkeiten. Sollte die Wall Street tatsächlich die „Leitfunktion“ für die anderen Börsenplätze erfüllen, die man ihr nachsagt, winkt den Aktionären ein goldenes Jahr.

Wall Street:

An der New Yorker Börse strebt der Dow Jones, der Wertmesser der Kurse von 30 renommierten Industrieunternehmen, auf die 1000-Marke zu, die er vor sechs Jahren einmal, kurz berührte. Wer die Kursentwicklung in Amerika im Zyklus der Präsidentschaftswahlen betrachtet, der kauft jetzt US-Aktien. Vor jeder Präsidentenwahl – von Hoover (1928) bis Nixon (1968) – verdienten die Aktionäre viel Geld, vorausgesetzt sie vertrauten der Wahlhausse nicht zu lange und realisierten ihre Gewinne rechtzeitig.

Der neue Boom hat bereits begonnen. In der Wallstreet stiegen die Aktienkurse seit Ende November um durchschnittlich 15 Prozent. Wenn Präsident Nixon die Wahl im Herbst gewinnen will, muß der Aktienmarkt – zumindest bis dahin – florieren. Darum sank die Prime Rate, der Eckzins, den die Banken ihren guten Kreditkunden berechnen, von über sieben Prozent Anfang letzten Jahres auf derzeit 4 3/4 Prozent (der niedrigste Stand seit 1965) und die „marginrequirements“, der Mindesteinschuß für Kreditkäufe am Effektenmarkt, von 65 auf 55 Prozent.

Wer in den USA Aktien kauft, muß auf die Spesen achten. Kleinaufträge sind weder bei den Banken noch bei den Brokern willkommen. Sie verursachen – trotz der hohen Spesen – zusätzliche Kosten. Wer trotz kleinen Einsatzes nicht auf Gewinnchancen verzichten will, sollte seine Aufträge in Amsterdam oder Zürich ausführen lassen. Dort werden täglich mehrere tausend Aktien bekannter amerikanischer Unternehmen umgesetzt. An diesen Börsen gelten die hohen Spesensätze der Wall Street nicht, sondern nur die üblichen Bankgebühren und die Börsenumsatzsteuer von 2,5 Promille des Kurswertes (sie ermäßigt sich auf die Hälfte bei Abschlüssen über ausländische Banken oder Makler).

Wer mit höheren Einsätzen spielt, sollte seinen Broker oder seine Bank anweisen, möglichst nicht an der Börse, sondern am „Third Market“ zu kaufen. Damit wird das Effektengeschäft zwischen Händlern bezeichnet, die nicht an der Börse vertreten sind und sich auf Geschäfte mit großen Finanzgesellschaften spezialisiert haben. Sie führen seit einiger Zeit auch kleinere Aufträge zu ermäßigten Gebühren aus.

Toronto: