Endlich, zwei Jahre nach der ersten großen Retrospektive, ist der erste Band von Altenbourg (aus Altenburg) erschienen, auf den wir lange gewartet haben, weil er den Leuten, die sich Originale nicht leisten können, die Chance gibt, die Blätter in halbwegs großen Formaten und annehmbaren Farbreproduktionen vor sich zu haben, sich lange und ungestört mit ihnen zu beschäftigen, sie aus der Hand zu legen und am nächsten Abend wieder vorzunehmen.

Für Altenbourg ist das Buch, der Bildband eine angemessene Form des Umgangs, seine Blätter wollen gesehen und auch gelesen werden. Eindeutigkeit wird vermieden, man gerät in ein Geflecht und Gespinst von Assoziationen, Anspielungen, Bezüglichkeiten. Die Landschaften enthalten verwirrende Einsprengsel, die aus geologischen Tiefenschichten und literarischen Ablagerungen an die Oberfläche geholt sind. Landschaften – Köpfe – Szenen: diese drei Gruppen, die sich als eine erste Gliederung für das Werk anbieten, sind in dem Band ungefähr gleichmäßig berücksichtigt. Im Anhang findet man Proben von Altenbourgs lyrischer Prosa, die über die Mentalität des Thüringer Eremiten informieren. Die Einleitung schrieb Erhart Kästner, der aus freundschaftlicher Nähe ein Porträt Altenbourgs zeichnet und speziell das „Wunderliche“ seiner Blätter rühmt. „Je weiter die Weltausrechnung fortschreitet, um so mehr muß der Künstler, der in der ausgerichteten Welt ein Fremdling und Emigrant, Fremdling und Protestant ist, ins Wunderliche auswandern (Altenbourg: „Ich-Gestein“; Propyläen Verlag, Berlin; 160 S. mit 64 meist farbigen Abb., 128 DM) Gottfried Sello