Eine Sternstunde der Weltpolitik
Das Treffen in Peking – Der Beginn einer neuen Friedensordnung
Von Marion Gräfin Dönhoff
In allen Kanzleien und Außenministerien von Tokyo bis Paris sitzen die Experten jetzt überdas Kommuniqué von Peking gebeugt und versuchen, Bedeutungen und Folgen des Nixon-Besuches zu entschlüsseln. Dabei ist die hier und da gestellte Frage – entsprechen die Gegenleistungen der Chinesen eigentlich den Leistungen der Amerikaner – im Grunde unerheblich. Denn es ging ja nicht um ein Geschäft zwischen zwei rivalisierenden Handelspartnern, es ging vielmehr um einen neuen Anfang. Darum nämlich, eine auslaufende Epoche abzuschließen, die für beide Seiten mit vielen neurotischen Komplexen behangen war.
Noch immer scheint es fast unglaublich, daß der Präsident der Vereinigten Staaten, der sich noch vor kurzem geweigert hatte, die chinesische Regierung, die seit über zwanzig Jahren in Peking regiert, als legitim anzuerkennen – mit der Begründung, der einzig legitimierte Herrscher Chinas sei Tschiang Kai-schek und der residiere in Taiwan –, daß dieser Präsident nun also doch nach Peking reiste und fünf Tage lang mit den dortigen Repräsentanten verhandelt hat.
Und ebenso erstaunlich ist es, daß die chinesischen Führer Präsident Nixon empfangen haben, obgleich doch ihr Grundsatz seit Jahren lautet, mit keiner Regierung Beziehungen aufzunehmen, die mit Taiwan Kontakte unterhält. Auch hatte es bisher niemand für möglich gehalten, daß Mao und Tschou En-lai mit einem amerikanischen Präsidenten verhandeln würden, während amerikanische Bomber ihre tödliche Last auf das mit chinesischen Waffen kämpfende Nordvietnam abladen.
Wie also ist dies möglich geworden? Welches sind die Überlegungen der Amerikaner, die zu dieser politischen Kehrtwendung führten? Was sind die Motive der Chinesen?
Die Chinesen haben in den zwei Jahrzehnten des Mao-Regimes manche Erfahrungen gesammelt – auch solche mit Krieg und Gewalt. Unter außenpolitischen Aspekten läßt sich diese Zeitspanne in fünf Phasen einteilen:





