Rufer an der grünen Front
Die deutsche Agrar-Presse bietet mehr Quantität als Qualität
Von Wolfgang Hoffmann
Deutschlands Landwirte haben das letzte Relikt aus der Zeit des ehemaligen Bauernführers Edmund Rehwinkel unter den Tisch gekehrt – die „Deutsche Bauernzeitung“ (DBZ). Das Bauernblatt, das sich Rehwinkel einst zum Sprachrohr erkor, ist seit Jahresbeginn tot. Sinkende Auflagenzahlen, Anzeigenschwund und steigende rote Zahlen, die das nur mit Zuschüssen am Leben erhaltene Blatt produzierte, führten zu dem Entschluß, es sterben zu lassen.
Gleichwohl fällt dem Landbuch-Verlag in Hannover die Einstellung der Zeitung schwer. Obwohl der Beschluß zur Aufgabe schon seit Anfang des Jahres gilt, darf die Bauernzeitung noch bis Juli weiter erscheinen; allerdings nur als Ableger des niedersächsischen Bauernorgans „Das Landvolk“, das im gleichen Verlag erscheint. Landvolk-Chefredakteur Fritze ist darüber nicht glücklich, denn er muß die ersten vier Seiten seines Blattes ganz auf die schon totgesagte Bauernzeitung abstellen. Über die Gründe, die zum vorläufigen Weitererscheinen der DBZ auf „Landvolk“-Kosten führten, kann auch Waldemar Fritz keine Auskunft geben: „Das entzieht sich meiner Kenntnis.“
Die Entscheidung, ohne erkennbaren Grund noch ein halbes Jahr lang weiter rote Zahlen zu produzieren, ist freilich fast typisch für das Gesamtbild der Grünen Presse. Ebenso wie die Leser der deutschen Agrarpostillen an Haus, Hof und Tradition hängen, halten auch die Verleger der Grünen Front mit allen Mitteln an ihren Blättern und Blättchen fest. Wie die im Schollen-Denken verhafteten’Landwirte sich weigern, ihre Miniflächen zu größeren Einheiten zusammenzulegen, scheuen auch die Herausgeber der Bauernblätter vor dem zurück, was in der übrigen Presse seit Jahren die Regel ist – vor der Konzentration.
Zwar gleichen sich die unzähligen Bauernblätter in Wort und Schrift, dennoch werkelt jeder Bauernverband allein vor sich hin. Dies gilt für unscheinbare Zeitungen wie der „Bremer Landwirtschaftlichen Rundschau“ (Auflage: 2500), den Oldenburger „Bauernbrief“ (1500) und das „Allgäuer Bauernblatt“ (5000) ebenso wie für die großen Verbandsorgane im Stile des „Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblattes“ (120 000), das „Landvolk“ (100 000) oder das „Württembergische Wochenblatt für Landwirtschaft“ (65 000).
Dabei unterscheidet sich die Berichterstattung über agrarpolitische Vorgänge nur minimal. Die Agrarpolitik in der Bauernpresse wird nämlich zum großen Teil von drei Bonner Meinungsmachern gestaltet und zwar von:
- „Agra-Europe“ des Agrarjournalisten Lutz H. Kernberger, der dem Deutschen Bauernverband nahe steht, zugleich aber auch Kontakte zur SPD pflegt;
- dem freiberuflich tätigen Agrarjournalisten Franz Symnofsky, der als regierungsneutral gilt und
- den „Vereinigten Wirtschaftsdiensten“.





