Vor einer gefährlichen Entwicklung im Emissionsgeschäft mit Aktien junger Unternehmen warnte Anfang dieses Monats die amerikanische Börsenaufsichtsbehörde (Security and Exchange Commission = SEC). Es hat den Anschein, daß – zum erstenmal nach der letzten großen Hausse von 1968/69 – ein neues „hot issues“ Fieber in der Wall Street ausbricht.

Als „hot issues“ bezeichnet die SEC stark überzeichnete Neuemissionen von Aktien solcher Unternehmen, die ihre Geschäftstätigkeit erst wenige Jahre vor der Emission aufgenommen haben oder im Jahr vor der Emission über unversteuerte Bruttoeinnahmen von weniger als 100 000 Dollar verfügten. Allen gemeinsam sind ungewöhnlich hohe Kurssprünge von teilweise 500 Prozent meist schon am ersten Tag nach der Plazierung.

Die Security and Exchange Commission ist das höchste Bundesorgan der USA zur Überwachung des amerikanischen Wertpapiermarktes. Sie überwacht die Praktiken auf dem Wertpapiermarkt. Ihre Befugnisse sind auf Grund des Security and Exchange Act von 1934 sehr weitgehend. Jeder Wertpapierhändler- oder Makler, jeder Anlageberater und jede Wertpapieremission (über 300 000 Dollar) muß bei der SEC angemeldet werden und bestimmte Voraussetzungen erfüllen, die in den Wertpapiergesetzen der USA festgelegt sind.

Bei der SEC sind insgesamt 49 Firmen registriert, deren Aktienemissionen offiziell als „hot issues“ bezeichnet werden. Es handelt sich fast ausschließlich um Firmen der Computerindustrie, die 1968/69 als die aussichtsreichste Industriebranche galt. Von diesen 49 Firmen sind inzwischen fünf in Konkurs gegangen, drei haben ihre Betriebstätigkeit eingestellt, sechs haben heute Verbindlichkeiten, die ihr Anlage-und Umlaufvermögen um ein Vielfaches überschreiten, zwei mußten Zwangsfusionen eingehen und 21 Firmen erfüllen nicht das vorgeschriebene Soll für Gewinnrücklagen.

Die Aktienkurse fast aller 49 Firmen sprangen schon am ersten Tag nach der Plazierung um mehr als 100 Prozent in die Höhe. Allerdings: Am 1. Februar dieses Jahres lagen die Aktienkurse der verbliebenen Firmen weit unter dem Ausgabekurs; die Mehrzahl ist nicht einmal die Hälfte mehr davon wert.

Diese traurige Bilanz, die jetzt veröffentlicht wurde, ist Anlaß für ein Hearing der SEC-Spitze, um ein erneutes Aufflackern des „hot issues“ Marktes zu verhindern. Tatsächlich besteht Anlaß zur Besorgnis. Die Zahl der Firmen, die in der zweiten Hälfte 1971 zum erstenmal Aktien öffentlich emittierten, verdoppelte sich im Vergleich zu 1970.

Der Security Act von 1933 verlangt, daß jeder Käufer von neu emittierten Wertpapieren in den USA vor seinem Kauf einen sogenannten Prospectus erhält, in dem alle Angaben über die Firma, ihre finanziellen Verhältnisse, Struktur und Management enthalten sind. Der Prospectus ist die Kurzform der Registrierungsurkunde, die von der ausgebenden Firma bei der SEC hinterlegt werden muß (Registration).