Handelte er in Geschäftsführung ohne Auftrag, als er den Lehrling Martin Katschker tötete?

Von Werner Birkenmaier

Mildes Urteil in Konstanz für einen Ordnungsfanatiker, der einen angeblichen Gammler erschoß. Die Bürger machen es sich leicht: Es war ein ganz unpolitischer Fall.

Konstanz, im März

Vorurteile sind nach einem Wort André Gides die Stützen der Zivilisation, und sicher waren es zunächst gar nicht so wenige, die da meinten, der Konstanzer Druckereiarbeiter Hans Obser habe mit seiner Tat einen Beitrag zur Erhaltung der Zivilisation geleistet.

Die Konstanzer Justiz hat ihn milde behandelt, milder jedenfalls, als die Justiz derzeit andere behandelt, die nicht für die Ordnung eintreten, sondern sie, im Gegenteil, umstürzen wollen. Eben dies und einiges andere macht den Fall Obser zu einem wirklichen Fall. Alle Verfahrensbeteiligten konnten sich nicht genug darin tun zu betonen, wie unpolitisch dieser Fall doch sei und wie sehr man es mit einem Einzelgänger zu tun habe.

Der 39jährige Obser ist so sehr ein Einzelgänger und so unpolitisch, wie Josef Bachmann, der auf Rudi Dutschke geschossen hat, und – vielleicht – wie Ekkehard Weil, der auf einen sowjetischen Wachtposten am Berliner Ehrenmal feuerte. Hans Obser hat am 29. August 1970 mit einem Kleintierschußgerät, einem sogenannten „Hasentöter“, den 17jährigen Tankstellenlehrling Martin Katschker getötet, den er für einen Gammler hielt, der aber keiner war.