Bonner Bote
Nun wird also Gerhard Schröder in absehbarer Zeit nach Peking reisen. Man wüßte gern, wer auf diesen glänzenden Gedanken gekommen ist: die einladenden Chinesen oder der wißbegierige Reisende?
Niemand wäre geeigneter als der ehemalige Außenminister, dessen objektive, politisch seriöse, menschlich faire Haltung die beste Gewähr dafür bietet, daß dies kein Husarenritt der Opposition wird, sondern eine ernsthafte Erkundungsreise.
Für Bonn wird die diplomatische Anerkennung Pekings – wenn es einmal eines Tages soweit ist – kein großes Problem sein, denn die Bundesrepublik hatte ja keinen Botschafter in Taipeh; dies hat seinerzeit ein alter Asienkenner, der Gesandte Martin Fischer, verhindert, der vor zwanzig Jahren, als die Frage zur Debatte stand, den Standpunkt vertrat, daß Formosa wohl nur vorübergehend Bedeutung zukomme – China aber, immer China sein werde.
Schröder war 1964, als zum erstenmal Vorverhandlungen zwischen Bonn und Peking in der chinesischen Botschaft in Bern stattfanden, mit Bundeskanzler Erhard in Washington, wo dieser jene unglückliche Pressekonferenz gab, die mit zum Abbruch der Berner Gespräche beigetragen hat. Auch dort machte Schröder eine gute Figur und hat später alles getan, um den Faden nicht abreißen zu lassen. Wie sehr die Zeiten sich gewandelt haben: Vor acht Jahren wagte die deutsche Regierung nicht, die Verhandlungen energisch voranzutreiben, weil sie die Amerikaner nicht verärgern wollte. Heute sind es die Russen, die dies übelnehmen würden.
Damals hoffte Bonn, es könne gelingen, in einem Warenabkommen mit Peking die Berlin-Klausel aufzunehmen, gegen die die Sowjets seit 1958 (Berlin „Freie Stadt“) mit allen Mitteln kämpften. In diesen Tagen nun, bei den Handelsvertragsverhandlungen in Moskau, haben die Sowjets selbst die Berlin-Klausel anerkannt – aber nicht einmal dieser Erfolg findet die Zustimmung der CDU/CSU. Dff.






