Nachdem die sowjetischen Behörden dem Sekretär der schwedischen Akademie, Karl Ragnar Gierow, die Einreise in die UdSSR nicht gestattet und damit die nach, langem Hin und – Her geplante Verleihung der Nobelpreis-Insignien an Alexander Solschenizyn verhindert haben, regt sich auch in Schweden einiges an Kritik.

Ein offizieller Kommentar der schwedischen Regierung, ist allerdings nicht zu erwarten; wahrscheinlich wird sie inoffiziell sondieren, was es in Moskau zu sondieren gibt. Auch der Versuch, die Frage im schwedischen Reichstag zu diskutieren, wurde von der Regierung verhindert. Der Paragraph 90 der schwedischen Verfassung nämlich verbietet dem Reichstag die Behandlung konkreter Fälle, die das Verhalten einzelner Bürger oder Körperschaften, betreffen. Jener Abgeordnete, der in einer Reichstagssitzung die Sache zur Sprache bringen wollte, mußte sie in eine sehr allgemeine Frage Heiden, um der Regierung die Möglichkeit zu einer genauso allgemeinen Antwort zu geben.

Einen offiziellen Kommentar versagte sich auch die schwedische Akademie. Allerdings beschlossen ihre Mitglieder, die Rede zu veröffentlichen, die Gierow in Moskau halten sollte – und das war. auch ein Kommentar. Unter anderem nämlich hatte Gierow sagen wollen: „Wenn wir einen Wunsch haben, so den, daß jedes Zusammentreffen sich? gestalten möge wie dieses: im Vertrauen auf die Gemeinschaft zwischen freien Menschen, die einandet ohne Furcht wohlgesonnen sind.“

Sollte sich die schwedische Akademie zu einem öffentlichen Protest nicht entschließen, so könnte es sein, daß der Schriftstellerverband diese Aufgabe übernimmt. Er will über die Affäre noch in dieser Woche beraten. Sein Sprecher, Jan Gehlin, hat seiner Enttäuschung bereits öffentlich Ausdruck gegeben. Es protestierte auch der Vorsitzende des schwedischen P.E.N., Per Westberg.

Wenn sich die Proteste gegen die sowjetische Haltung bisher auf Pressekommentare und Interviews beschränkt haben, so gab es schärfere Proteste gegen die Art, wie die schwedische Regierung die Sache behandelt hat. Der gemäßigte Jugendverband der Sammlings-Partei etwa bezichtigte sie der „Feigheit vor den Aktionen der russischen Behörden gegen Alexander Solschenizyn“.

Tatsache ist, daß Gunnar Jarring, Schwedens Botschafter in Moskau, sich nur sehr ungern zu einer möglichen Aushändigung des Preises in seiner Botschaft äußert. Er war und ist der Meinung, daß eine solche Zeremonie den schwedisch-russischen Beziehungen schaden würde. Dagegen betonte der schwedische Außenminister Krister Wikman, einer Übergabe in der Botschaft stehe nichts im Wege –, jedoch dürfte die Botschaft dadurch nicht „an einer politischen Demonstration mitwirken“.

Ob eine Preis Verleihung in der schwedischen Botschaft überhaupt möglich wäre, selbst wenn Schweden sie wünschte, ist allerdings höchst fraglich. Die Göteborger „Handelszeitung“ drückte es vielleicht am bündigsten aus: „Der interne Streit in Schweden, Beschuldigungen und Gegenbeschuldigungen, waren eine müßige Schau. Es stand ganz einfach nicht in der Macht irgendeiner schwedischen Behörde, in Moskau eine Nobelpreis-Zeremonie zu arrangieren.“