Zu seinem zehnten Konzert kam er auf folgende Weise: Herbert von Karajan wollte in London Mozarts Konzert für drei Klaviere und Orchester aufführen, er selber an einem, Christoph Esdienbach und Jörg Demus an den beiden anderen Soloinstrumenten. Demus fiel aus, da erinnerte sich Karajan, ein Tonband von einem Fünfundzwanzigjährigen gehört zu haben, und besdiied ihn nach London. Das war vor zweieinhalb Jahren.

Zu seinem achtundsiebzigsten bis siebenundachtzigsten Konzert kam er, weil an eben jenem Londoner Abend ein junger Geiger namens Pinchas Zukerman im Parkett saß, ihn hörte und anschließend in der Garderobe als Partner für eine Tournee gewann. Die fand im vergangenen Jahr statt, und weil sie nicht ganz ohne Erfolg verlief, wird er sein hundertsiebenundvierzigstes Konzert im Mai in der Hamburger Musikhalle wieder mit diesem Geiger absolvieren.

"Eine Laufbahn als Musiker, als Interpret, als Künstler", sägt der knapp achtundzwanzig Jahre alte Pianist Justus Frantz, "ist eine Art Kettenreaktion: Eine erfolgreiche Zündung leitet bereits die nachfolgende ein".

Was veranlaßt einen jungen Menschen, das Risiko einer solchen Kettenreaktion einzugehen, wo Konzertveranstalter nur noch mit viel List und Tücke ihre Säle füllen, wo das AbonnementsPublikum aussichtslos überaltert ist, wo umgekehrt jährlich allein in Deutschland für 880 Millionen Mark über 100 Millionen Schallplatten gekauft werden und damit sowohl für die Seite des Interpreten wie die des Zuhörers bis in die letzten Provinzwinkel hinein das Mindest>Niveau festgeschrieben wird? Kann man sich heute noch, als einer von rund 150, die jährlich in diesem Fach eine Hochschule oder Akademie betreten, auf Gedeih und Verderb einem Markt ausliefern, der eher schwindend als expansiv genannt werden muß? Was könnte jemanden zu dieser Form eines anachronistischen Idealismus verleiten?

Justus Frantz — und damit ist er repräsentativ für eben jene Gruppe der Solo Aspiranten — glaubt nicht an die Regression des Marktes, nicht an ein Absterben des Konzertlebens. Er ist optimistisch, weil sein Ausbildungsinstitut, sein Management, seine Veranstalter davon leben, daß er optimistisch bleibt — ein an Inzucht leidender Kreislauf.

Justus Frantz — und auch darin ist er Vertreter der ganzen Gruppe — hält "Mjusik für die ehrlichste Moglidikeit, sich aösÄtliSÄÄ tfe4; die hohen teoitüstfaen Aförfier ijöi ,"Äie; aff Rolle einSs Klsvtefsolisfen k<hrte sJSljeä, sind für ihn und sein£"C?ftljß effi spöftliölf AttWfe hin zu dem "Spaß, die Dinge in den Griff zu bekommen", zu dem "eher spielerischen Vergnügen, ein Stück auch technisch so perfekt wie möglich abzuliefern". Und wichtig ist für sie alle, "etwas Außerordentliches zu machen", so daß es nicht blaß" ist, sondern "alles zu jeder Zeit plastisch".

Justus Frantz — und das warf ihn hinter seine Gruppe zurück — hat erst spät angefangen, mit zwölf Jahren. Während seine heutigen Konkurrenten auf der Quarta bereits Beethoven Sonaten und Mozart Konzerte spielten, wurde er gerade vom BldckflötenGruppenunterricht befreit, weil er "zu unbegabt" war.