Ägypten hat am Donnerstag vergangener Woche die diplomatischen Beziehungen zu Jordanien abgebrochen und damit verspätet auf den Plan des jordänischen Königs Hussein reagiert, sein Königreich in eine Föderation zweier autonomer Provinzen „Jordanien“ und „Palästina“ umzuwandeln. Dieser Schritt sei, wie Präsident Sadat dazu erklärte, notwendig geworden, um einen „Ausverkauf palästinensischer und arabischer Rechte“ zu verhindern; er leite sich aus den „Anforderungen des (nicht mehr ferneu) Kampfes gegen Israel her“.

Nach Sadats Worten will Ägypten „alle“ Beziehungen aufkündigen. Kairo erwägt sogar, seinen Luftraum für jordänische Maschinen zu sperren. Amman wäre in diesem Falle fast vollständig isoliert, da auch Syrien ein Überfliegen seines Territoriums nicht gestattet.

Über Sadats Motive herrscht Unklarheit, zumal er mit seinen Bemühungen um ein Suez-Teilabkommen Hussein zur Bekanntgabe des Föderationsplanes veranlaßte und darüber rechtzeitig informiert wurde. Offenbar hat der in Kairo tagende Nationalkongreß der Palästinenser eine Rolle gespielt, vor dem der Präsident seine angeschlagene Führungsrolle wieder festigen wollte. Die Palästinenser konnten sich freilich – trotz eines beschwörenden Einigkeitsappelles ihres Führers Arafat – nicht auf eine gemeinsame Haltung zum Hussein-Plan einigen.

Am der Kairoer Verlautbarung traf der sowjetische Ministerpräsident Kossygin zu einem fünftägigen Besuch im Irak ein. Bagdads Einladung datiert vom Februar; sie dokumentierte die seit etwa 1969 verbesserten Beziehungen zwischen beiden Staaten, die bis dahin durch die Verfolgung der irakischen kommunistischen Partei getrübt waren. Kossygin nahm am feierlichen Produktionsbeginn auf dem Ölfeld von Nord-Rumeila teil, das mit sowjetischer Hilfe erschlossen worden ist.

Am Sonntag unterzeichneten er und der irakische Staatspräsident al Bakr einen auf 15 Jahre befristeten Vertrag über Freundschaft und Zusammenarbeit,

Ebenfalls am Donnerstag voriger Woche kündigte Präsident Nixon an, daß er den irakischen Nachbarn Iran nach seiner Moskaureise besuchen werde. Der Iran wurde am Montag von einem schweren Erdbeben heimgesucht.