In der Türkei steht eine neue Machtprobe zwischen Parlament und Militär bevor. Nach den jüngsten Unruhen und der Ermordung von drei NATO-Technikern hatte Staatspräsident Sunay dem Parlament ein „Ermächtigungsgesetz“ zugeleitet, das bis zu den Wahlen 1973 in Kraft bleiben und der Exekutive erweiterte Vollmachten bei der Bekämpfung von Terroristen einräumen soll. Zur Überraschung der Parlamentarier hieß auch Ministerpräsident Erim diesen Schritt gut.

Beide Politiker betonten zwar, damit werde den Parteien kein Ultimatum gestellt. Sie erinnerten aber an die „Warnungen“ des Militärs, das nach einem Jahr der Regierung Erim mit den inneren Zuständen „äußerst unzufrieden“ sei.

Die Demokratische Partei brachte im Gegenzug einen Mißtrauensantrag gegen die Regierung ein. Bis zum Wochenende sprachen sich alle politischen Gruppen gegen das Ermächtigungsgesetz aus. Die Entscheidung liegt jetzt bei der Armee. Die Regierungspolitiker waren zu Wochenbeginn anderweitig beschäftigt: Der sowjetische Staatspräsident Podgorny traf zu einem Besuch in Ankara ein.