Von Theodor Eschenburg

Das öffentliche Interesse am Auswärtigen Amt und am Auswärtigen Dienst ist stark; aber für die Presse ist es schwer, den umfangreichen und weitverzweigten, zwangsläufig diskret agierenden Apparat mit seinen vielfältigen Aufgaben publizistisch in den Griff zu bekommen.

Der Spiegel hat gerade eben eine große Reportage über den Auswärtigen Dienst mit der Textüberschrift „Der Grad von Opportunismus ist ungeheuer“ (Nr. 15 vom 3. April) gebracht. Die Tendenz dieser Darstellung: Die von „CDU-Mitgliedern und -Sympathisanten durchsetzte Behörde“ habe sich wegen der privilegierten Besoldung im Ausland und ihres standesbedingten Luxusdaseins – ein „goldener Käfig“, den jeder nur ungern verlasse – „wider Erwarten rasch ihren neuen sozialliberalen Herren angepaßt“; eine eigene Meinung hätten die Diplomaten offenbar nicht.

In Wirklichkeit ist es die Aufgabe der Diplomaten, die jeweilige auswärtige Politik instruktionsgemäß mit höchstmöglicher Intelligenz und mit bestmöglichem Willen so überzeugt zu vertreten, als ob es ihre eigene wäre – auch bei Kursänderungen der amtierenden Regierung oder bei einem Regierungswechsel. „Verzicht auf Engagement“ ist in der Diplomatie nicht ein Berufsfehler, sondern ein Berufserfordernis. Das Hineindenken in eine vom Einzelnen subjektiv nicht gebilligte Politik ist äußerst anstrengend und verlangt ein hohes Maß von geistiger Disziplin. Was der Spiegel tadelt, verdient also ganz im Gegenteil Anerkennung.

Das Nachrichtenmagazin erregt sich über die „Résistance“ des Ministerialdirektors Oncken gegen die Ostpolitik. Der Ministerialdirektor ist Leiter der Planungsabteilung – vom Spiegel wird er reichlich übertrieben als Generalstabschef Scheels bezeichnet. Oncken sitzt weder am Befehlshebel noch auf einem Außenposten, und von einer „Aktion Widerstand“ kann bei Oncken schon gar keine Rede sein. Der Spiegel bescheinigt ihm „Phantasie“ und Intelligenz, er ist aber außerdem auch noch loyal. Als Leiter der Planungsabteilung ist es seine Aufgabe, mit einem Team Alternativen auszuarbeiten und auf mögliche Fehler der gegenwärtigen Strategie hinzuweisen.

Der Spiegel beklagt sich, daß seit Neugründung des Amts nur drei Beamte aus politischen Gründen den Dienst freiwillig quittiert haben. Die Zahl drei ist übrigens falsch. Der auch genannte Legationsrat Graf Huyn (CSU) wurde von dem CDU-Minister Schröder wegen eklatantem Bruch der Amtsverschwiegenheit zum Ausscheiden faktisch gezwungen. Selbstverständlich gibt es Gewissensentscheidungen, aber die Disziplin gehört zum Metier.

Der Spiegel erweckt den Eindruck, als ob das Amt ein Besoldungsprivileg für seine im Ausland tätigen Beamten durch hohe Zulagen gleichsam als feudales Residuum großmütig erhalten hat. Er spricht von „fetten Prämien und großzügigen Subsidien“. Diese Auslandszulagen erhalten aber auch Beamte anderer Ministerien, beispielsweise die der Bundesbank, der Bundesbahn. Die Höhe bestimmt das Bundesfinanzministerium, das wegen seiner Sparsamkeit verrufen ist; sie wird im übrigen im Etat festgelegt. Auch Journalisten werden ja von ihren Verlagen im Ausland höher besoldet als im Inland.