Köln

Wer lebt denn schon in Köln?“ fragt Heiko Deters. Ganz Köln weiß seit ein paar Wochen die Antwort: Heiko Deters.

Denn die Massenmedien haben gedruckt und gesendet, daß Deters Köln eine „stinkende Blase“, einen „Sumpf“, „rheinisches Kasperletheater mit Tünnes und Böll“ genannt hat.

Das Echo kam programmgemäß: Bürgermeister Friedrich Jacobs schimpfte Deters im Massenblatt Express einen „Verrückten, der nicht alle Tassen im Schrank hat“. Medien-Konsumenten erboten sich, Deters „umzulegen“. Einem unbescholtenen Horst Deters wurden telephonisch Prügel angekündigt: Der Anrufer hatte sich beim Vornamen geirrt.

Auch der besonnene Kölner Stadt-Anzeiger meinte, was hier über Köln geschrieben stehe, sei „nicht immer schmeichelhaft, dafür aber handelt es sich um Literatur“. Und das ist schließlich des Pudels Kern oder – um bei Deterschen Wortbildern zu bleiben – der Inhalt der Blase, die über der Stadt geplatzt ist.

„Notizbuch, Neun Autoren – Wohnsitz Köln“ hatte der Kölner Verlag Kiepenheuer & Witsch schreiben lassen. Böll und Becker, Wallraff und Wellershoff, Schallück (m) und Schallück: (w) waren unter denen, die sich auftragsgemäß hinsetzten und – teilweise – mit der Feder im und am Wohnsitz Köln herumkratzten.

Hier werde einem „ständig ins Maul geschissen“, heißt es zum Beispiel im Beitrag von Peter Faecke („Die Brandstifter“). Böll fand, Köln sei eine „Stadt, in freudloser Sonne verödet im 30jährigen Krieg der Bauplaner“.