Fehlgeschlagen
Staatspräsident Pompidou hat sich während seines Besuches bei Frankreichs „kleinem Verwandten“, in Luxemburg, als überzeugter Europäer hören lassen. Die gewohnten Hochrufe auf den Gastgeber garnierte er zur Überraschung seiner Zuhörer mit einem kräftigen „Vive l’Europe!“. Welches Europa der Präsident hochleben ließ, ob das der Vaterlandstreuen oder der Supranationalen, blieb den Luxemburgern freilich ebenso verborgen wie kurz zuvor den Franzosen beim Referendum.
Eindeutig wurde Pompidou nur im Detail: bei der Frage nach dem politischen Sekretariat der Gemeinschaft. Es soll nach Paris, auch wenn inzwischen fast alle alten und künftigen EWG-Mitglieder für Brüssel als Sitz dieser Institution plädiert haben. Den Präsidenten kann dieser kollektive Wunsch nicht schrecken. Wer wird, so fragte er in Luxemburg, den Franzosen schon ein „Dokumentationszentrum für den Ministerrat“, eine europäische „Telephonzentrale“ neiden?
Seine Partner werden ihn jetzt fragen, warum er ein derart abgewertetes Sekretariat in seiner Hauptstadt beherbergen will und welchen Zweck es überhaupt noch erfüllen soll. „Vive l’Europe!“ wird ihnen als Antwort kaum genügen. D. B.
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