Hair Force, ade

Die Bundeswehr ist um ein Uniformstück ärmer geworden: Das Haarnetz gehört seit dieser Woche der Militärgeschichte an. Nach fünfzehn Monaten üppig wallender Lockenpracht unter dem Stahlhelm endet jetzt die Flaute der Kasernenfigaros. Die Soldaten tragen künftig wieder kurz, Augen und Ohren liegen frei, Hören und Sehen wird wieder groß geschrieben.

Helmut Schmidts ursprünglicher Haarerlaß war ein Versuch, das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit auf den Bewuchs der soldatischen Schädeldecke auszuweiten. Der Versuch ist mißlungen. Der Verteidigungsminister hatte zwar vor dem Bundestag empfohlen, „ein bißchen Humor walten zu lassen“ und den allgemeinen Geschmackstrend zu berücksichtigen. Den Prinzipienreitern jedoch, die Disziplin und militärische Leistung nur mit ihren Vorstellungen vom einheitlichen Erscheinungsbild der Truppe in Einklang bringen können, verging das Lachen. Afro-Look und Beatle-Mähne ließen sich auch durch Mückenschleier, Badekappen und Einmachgummi kaum noch unter die Mütze zwängen. Argumente gegen die Sicherheitspolitik der Regierung wurden deshalb an den Haaren herbeigezogen.

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Nicht daran jedoch scheiterte Schmidts anfängliche Liberalität. Sie scheiterte an der mangelnden Sauberkeit der Soldaten. Dermatologen und Stabsärzte fanden: Parasiten, Talg, Dreck. Überdies: Bei der Marine gingen zuletzt immer mehr Läuse als blinde Passagiere mit auf große Fahrt.

Aus diesem Grunde wurde die Bewegung gestoppt. Die Armee soll von nun an wieder sauber sein. Auch wenn jetzt so manche Träne einer enttäuschten Soldatenbraut auf den frischen Bürstenschnitt ihres geliebten Gefreiten kullert – die German Hair Force hat ihre Schlacht verloren. Gewonnen haben die Friseure. Die Kampfkraft wird wohl dieselbe bleiben. S. B.

 
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