Aber Boom für Lack und Pinsel
Nehmen wir einmal an, die öffentliche Diskussion um die Familien Fernsehsendung „Wünsch dir was" ist nicht der Super Gag einer raffinierten Public Relations Abteilung, die Millionen von TV Konsumenten in eigener Sache an die Lichtschalter jagt. Nehmen wir also an, die Kündigungs Drohungen, die offenen Briefe und auch die Kritiker Beschimpfungen des Dietmar Schönherr sind ernst gemeint.
Das Hick Hack um die Ko Produktion aus der Schweiz, Österreich und der Bundesrepublik hat nach der 20. Folge den vorläufigen Höhepunkt erreicht. Die Lunte, in einer offensichtlich unbändigen Lust am Untergang vom „Wünsch dir was Team zwanzigmal gelegt, hat nun endgültig die Bombe unter dem eigenen Stuhl erreicht.
Sie wollten herausfordern, bewegen, verändern, pädagogisch wirksam werden. Und ins Gespräch kommen. Man muß ihnen attestieren: Das haben sie geschafft. Pro und contra um diese anspruchsvolle Show verteilen sich in der Presse entsprechend der politischen Provenienz.
Das Ärgernis um „Wünsch dir was" hat natürlich auch politische Gründe, und es- blieb nicht der kapitalistischen Minderheit von Farb Fernsehern vorbehalten, über die tiefere Bedeutung der Nelke in Schönherrs Knopfloch zu räsonieren. Derart auf der rechten Netzhaut verletzt, nahm das Unheil seinen Lauf, als schließlich Kulenkarnpff einen ebenso einseitigen Schlag gegen die Trommelfelle unternahm und Nobelpreisträger Brandt Grüße ins Haus schickte.
„ Wünsch, dir was definiert den Begriff Unterhaltung anders, weitläufiger", sagt Schönherr, und eben das irritiert die Masse. Hier ist ein selbstbewußtes Team angetreten gegen die Allen recht Macher, gegen die Index Huberei von Alexander bis Rothenberger.
Natürlich kann man darüber streiten, ob es geschickt von Robert Jungk war, Genscher wegen der Zurückweisung von Ernest Mandel in der letzten Sendung anzugreifen. Die Flucht in die Öffentlichkeit konnte in drei Minuten nur Polemik schüren.
Aber seit sich Esther Vilar via „Wünsch dir was" hartnäckig auf dem Seiler Teller hält, mögen wohl wenige der Publicity Sucht widerstehen. Doch der Denkanstöße, und damit ist man im Team schon- zufrieden, gab es viele, wenn die Ergebnisse auch manchmal sehr vordergründig waren, mag man der Farbindustrie glauben, die nach Hjindrtwassers Auftritt am nächsten Montag einen Lackeund c Pinsel Boom erlebte.
- Datum 02.06.1972 - 07:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 2.6.1972 Nr. 22
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