Dieter Piel: Abschied ohne Wiederkehr?

Die Bundesregierung entsann sich des Jahrestags der Krise und inszenierte eine neue Krise. Ziemlich genau ein Jahr nachdem der damalige Bundesfinanzminister Alex Möller vor der Ausgabenwut seiner Kollegen resigniert hatte, stand sein Nachfolger Karl Schiller vor dem gleichen Problem: Sieg der finanzwirtschaftlichen Vernunft oder Rücktritt.

Heute wie damals erfuhr die Öffentlichkeit von dramatischen Appellen des Finanzministers und vom Widerstand des Kabinetts.

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Freilich, die Regierung gedachte noch eines viel jüngeren Ereignisses: Bundeskanzler Willy Brandt, der vor vier Monaten versprochen hatte, er werde sieh künftig intensiver um die Wirtschafts- und Finanzpolitik kümmern, entsann sich seines guten Vorsatzes und rügte die „unausgegorenen"

Vorschläge Schillers zum Haushalt und zur Finanzplanung. Die Mehrzahl der Sachverständigen, von Bundesbank Chef Karl Klasen bis zum Bankier Ludwig Poullain, freilich unterstützte den Doppelminister.

Bilanziert man das Bonner Treiben der letzten Tage, so erkennt man, daß sich die Bundesregierung mit der durch das parlamentarische Patt ausgelösten Krise nicht Zufriedengab, sondern auch noch eine „Krise in der Krise" erzeugte. Statt gegenüber den Angriffen der Op- "

Position einheitlich Front zu machen, demonstrierte das Kabinett in aller Öffentlichkeit Uneinigkeit.

Wie es zu dem Tauziehen — mit dem Wirtschaftsminister Schiller und dem Finanzminister Schiller am einen und dem Rest, des Kabinetts am anderen Ende des Strangs — gekommen ist, läßt sich so skizzieren:

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