Abroad • Del exiranfero • De l'eiraneer • 3a rpaHHuefi • 9Y Der Konflikt geht weiter

In Bukarest ringen die Schriftsteller um eine liberale Literatur Von Anneli Ute Grabanyi

Mit der Landeskonferenz des rumänischen Schriftstellerverbandes vorige Woche hat die Spannung zwischen Parteileitung und Schriftstellern, die seit Beginn der sogenannten rumänischen Kulturrevolution andauert, ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Nach Ceausescus siebzehn Thesen zur Re Ideologisierung des kulturellen Lebens vom Juli 1971 hatte sich nämlich eine ganz ungewöhnliche Situation ergeben: Eine Anzahl- prominenter Schriftsteller widersetzte sich der offiziellen Kulturpolitik.

Der anfangs passiv geübte Widerstand dieser Literaten — darunter Dumitru Radu Popescu, Eugen Jebeleanu, Nichitä Stanescu, Marin Sörescu, Marin Preda — ließ erkennen, daß sie nicht bereit waren, die Beschneidung der kleinen Freiheiten, die sie seit dem Beginn der gemäßigt liberalen Periode 1965 errungen hatten, widerspruchslos hinzunehmen.

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Auf dem Plenum des Zentralkomitees der RKP im vorigen November kam es gar zu einem offenen Aufbegehren: Der Romancier Titus Popovici forderte das Recht der Schriftsteller auf Kritik, und der Lyriker Eugen Jebeleanu plä diene für die Freiheit der literarischen Aussage. In der vom Schriftstellerverband finanzierten Zeitschrift Lucea ja rttl (Der Abendstern) äußerten sich jene Schriftsteller, die sich bis dahin passiv ablehnend verhalten hatten, nunmehr offen gegen jegliche Gängeking und gegen die Zensur. Nachdem ein Termin für die Landeskonferenz vage genannt war — der Monat Mai —, überstürzten sich die Ereignisse. Ende März wurden vorbereitende „Thesen" zur Konferenz veröffentlicht, die den Schriftstellern als Leitlinien für die bevorstehenden Diskussionen dienen sollten. Sie hatten, obwohl die rumänische Gegenwartsliteratur darin relativ ausgewogen beurteilt wurde, restriktiven Charakter. Das gilt für die Forderung nach stärkerer Aufsicht und Kontrolle von Zeitschriften und Verlagen wie für das Projekt, den Schriftstellerverband von einer Interessengemeinschaft zu einem Instrument der Parteipolitik zu machen.

Für zusätzliche Spannungen in der ohnehin explosiven Situation sorgten drei Schriftsteller, die auch im Westen als Dissidenten bekannt wurden: PaulGoma, Nicolae Breban und Dumitru Tepeneag.

Paul Goma erlangte das Prädikat eines „rumänischen Solschenizyn": sein Roman „Ostinato" war, als er in Rumänien nicht veröffentlicht wurde, 1971 bei Suhrkamp erschienen. Am 29. April veröffentlichte Le Monde Auszüge eines an Parteichef Ceausescu gerichteten Briefes, worin Goma, vom Parteiausschluß, bedroht, erstmals die Hintergründe seiner „Affäre" aufdeckte. Die Eechtfertigung, die Goma von Ceausescu persönlich forderte, blieb jedoch aus. Es fand sich sogar an eleganter Weg, um diesen unbequemen Parteigänger loszuwerden: Goma wurde mitgeteilt, daß im August 1968 bei seinem Aufnahmeverfahren in die Partei ein Fehler unterlaufen sei und daß er somit nie Mitglied der RKP gewesen sei. Der Fall Nicolae Brebaris ist etwas anders. Als der Romancier während eines Aufenthaltes in Frankreich erfuhr, daß sich im Juli 1971 die rumänische Kulturpolitik gewendet hatte, legte er, cer auch dem Zentralkomitee der. RKP angehörte, seinen Posten als Chefredakteur der bedeutendsten Zeitschrift des Schriftstellerverbanoes, Romania Literara (Literarisches Rumänien), rieder. Nach vergeblichen Versuchen, in Frankreich und in der Bundesrepublik als Schriftsteller Fuß zu fassen, fuhr Breban vor gut einem Monat räch Rumänien zurück, um, wie er sagte, „die Errungenschaften des Jahres 1968" auf dem Schriftstellerkongreß zu verteidigen.

Dumitru Tepeneag, im Juli vorigen Jahres wie Ireban in Frankreich, hatte ebenfalls in der vestlichen Presse Unzufriedenheit laut werden kssen. Er kehrte jedoch bereits gegen Ende des vergangenen Jahres nach Rumänien zurück. Da diese Schriftsteller entschlossen waren, ihre Ansichten auf der Konferenz zu verteidigen, wurde nach einer Möglichkeit gesucht, um sie und andere Dissidenten, vor allem aus den Reihen der jüngeren Schriftsteller, fernzuhalten. Das geschah dann auch Anfang Mai mit einer kurzfristigen, mit den Verbandsstatuten allerdings unvereinbaren Änderung der Teilnahinebedingungen: Während es bisher allen Mitgliedern erlaubt gewesen war, an der Versammlung teilzunehmen, wurde nun ein System vonDelegierten ersonnen, das es erlaubte, die Zahl der Teilnehmer auf die Hälfte zu reduzieren und somit potentielle Kontrahenten an der Teilnahme zu hindern.

Korrespondentenberichten zufolge kam es bei den Delegiertenwahlen im Bukarester Teilverband, zu turbulenten Szenen; Eugen Jebeleanu, Goma und Tepeneag protestierten dort gegen das Verfahren und verließen schließlich aus Protest den Sitzungssaal. Sie wurden nicht als Delegierte aufgestellt. Ebenfalls nicht gewählt wurde Nicolae Breban, der inzwischen resigniert oder ich arrangiert hat.

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