DIE NEUE SCHALLPLATTE
Wenn Sie Schallplatten kaufen, dann — Unbedingt:
„Jankowskeyboard"; Horst Jankowski, Klavier; MPS 33 20 880 1 (2 Platten), 33 — DM Auf der Basis einer soliden pianistischen Virtuosität entfaltet sich dieses improvisatorische Spiel: kraftvoll, sehr farbig auch in den Schattierungen und oft voll von schönen Klängen, die alsbald einfallsreich aufgebrochen werden. Manchmal wirken diese Jazz Rhapsodien hart und verbissen, als versuchte ein explodierendes Gemüt, sich unter Krämpfen zu artikulieren, manchmal hört es sich ganz sanft und beinahe verträumt an. Jedenfalls ist schwer zu glauben, daß derselbe Mann — der vermutlich beste Jazzpianist im Lande — mit einem (seinem) Chor schon Berge von mediokrem Klangkitsch aufgetürmt hat.
„I Just Want To Celebrate"; Klaus Weiss Orchestra;BASF44 21247 5 (2 Platten), 44 —DM Auf der Suche nach dem Big Band Sound, den noch keiner hat, brachte der Schlagzeuger Klaus Weiss erstens fünfzehn hervorragende Jazzmusiker aus aller Welt zusammen und zweitens eine kleine Gruppe von Arrangeuren, deren jeder einen ausgeprägt persönlichen Klangsinn hat. Das Ergebnis ist nun in zwölf Stücken zu hören — ein beachtlicher Big Band Wiederbelebungsversuch, originell und fast ein bißchen zu perfekt. Humair, Pedersen, Berliner Symphoniker, Leitung: Hans Georg Arlt; Intercord 28 768 0 22 — DM Neue Stücke zwar (von Brähms, Dvorak, Schubert, Tsdiaikowskij, Weber), aber sonst nichts Neues von Cicero. Mit gewohntem Geschick verwendet der rumänische Pianist Stücke aus der altbeliebten Schönen Konzertliteratur als Jazzvorlagen. Das ist gewandt spielerisch, sogar delikat gemacht, es hat aber auch den schnellen Chic von teurem Trödelkitsch.
„Popol Vuh in den Gärten Pharaos"; Popol Vuh mit Florian Fricke, Holger Trülzsch, Frank Fiedler; Ohr und Pilz 2021276 9, 19 80 DM Diese Schallplatte sei, sagen ihre der „tibetanischen Kosmogie" verpflichteten Erfinder, ihr zweiter „Schritt hin zu Klarheit, Frieden und Freude"; sie hoffen, daß ihre Musik, sobald sie ins Ohr, „den Mutterschoß des Schalls", eindringt, alsbald den „Geist färbt". Was so rührend mit metaphysischem Schaum umhüllt wird, ist ein mit Synthesizer, Orgel, Becken, Gesang hergestellter, träge strömender Strom aus schönen, schweren, schwülen und schwülstigen Klängen; wer sich da hineinlegt, hat wohl am meisten davon, wenn er vorher das Licht und den Intellekt ausknipst. Also, Ligeti macht so was weit besser, nämlich differenzierter, intelligenter und viel spannender, nur eben ohne metaphysischen Qualm.
- Datum 02.06.1972 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 2.6.1972 Nr. 22
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