Für BMW-Fahrer

Eine Windmaschine zerzauste der Blonden das Haar. Sie trug einen gelben Pullover und darunter nichts als die bloße Haut. Monika Fleischer, 21 Jahre alt und Photpmodell von Beruf, gehört zu den zwölf „Mädchen von München", die der Playboy in seiner erstendeutschen Ausgabe vorstellen wird.

Die, Verhandlungen zwischen. Chikago und Hamburg dauerten 22 Monate. Im März war der Partnerschaftsvertrag zwischen „Playboy Enterprises International" und dem Heinrich BauerVerlag, der seine Hauptumsätze bislang mit nicht sonderlich anspruchsvollem Sex machte, perfekt. Der Playboy soll das aufwendigste und anspruchsvollste Verlagsobjekt werden. Am Donnerstag, dem 27. Juli, wird das August Heft zum PVeis von fünf Mark an den Kiosken sein. , Bislang hat es nicht an Versuchen zur Herausgabe eines Herrenmagazins in der Bundesrepublik gefehlt. Viele sind gescheitert, zuletzt scheiterte M des 5rate Verlegers Franz Burda. Das Nackedei Magazin starb trotz einer Auflage von 350000 Exemplaren an redaktioneller Konzeptionslosigkeit und Widerständen im eigenen Haus, in dessen übrigen Objekten, der Biedersinn triumphiert. Für den deutschen Playboy sind die Marktanalysen günstig. Bereits jetzt werden 50 000 Exemplare der amerikanischen Ausgabe allmonatlich über Grossisten in der Bundesrepublik abgesetzt.

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: Der für den Teuton&i Playboy engagierte Blatt Macher Heinz van Nouhuys hat das Illustriertengeschäft bei Stern :und Quick erlernt. Als Chefredakteur verpflichtet er Raimond le Vi„ seur von Jasmin sowie weitere zwanzig Redakteure, Grafiker und Layouter des Blattes „für das Leben zu zweit". Als Zielgruppe visiert er die Männer zwischen 22 und 36 Jahren an, „die vielleicht noch VW fahren, aber irgendwann einmal auf BMW umsteigenwerden". Den deutschen bewußt. Monatseinkommen über 1500 Mark. Er geht zum Fußball, ins Theater, hört Pop Platten und liest mehr als eine Zeitung am Tag "

In den USA hat sich der Playboy in 18 Jahren mit einer Mischung aus literarisch anspruchsvollen Beiträgen und unterkühltem Sex, der nichts mit Pornographie zu tun hat, inzwischen eine verkaufte Auflage von 6 7 Millionen Exemplaren im Monat gesichert. Im Herbst 1969 kam Hefner erstmals nach England und in die Bundesrepublik — und er entdeckte dabei den alten Kontinent. Seitdem ist er mit missionarisch anmutendem Ehrgeiz dabei, seine Botschaft vom liberalen Leben nach Europa zu tragen. Verhandlungen über weitere Playboy Ausgaben in französischer und italienischer Sprache stehen kurz vor dem Abschluß.

Auf Eingriffe in das redaktionelle Programm seines deutschen Ablegers will Hefner verzichten. Chefredakteur Raimond le Viseur: „Er wird sich nur die Titelbilder und die Photos der Mädchen vorlegen lassen Das redaktionelle Konzept orientiert sich an den Interessen der jungen Karriere Männer, „und das geht über den Busen hinaus". Den deutschen Playboy Lesern wird daher auch das bittere Wasser des Umweltschutzes kredenzt. Im Playboy Forum werden „alle Kräfte, die im Lande etwas zu sagen haben", zur Diskussion aufgefordert.

Als Startauflage in der Bundesrepublik sind 300 000 Exemplare vorgesehen. Heinz van Nouhuys betont: „Bei einer verkauften Auflage von 250 000 machen wir bereits Gewinn Ob dieses Ziel jemals erreicht wird, weiß keiner. Der Heinrich Bauer Verlag hat zunächst einmal zehn Millionen Mark für die Durststrecke bereitgestellt. Diese Durststrecke sieht Heinz van Nouhuys allerdings weniger auf dem Weg vor dem Kiosk, sondern auf dem, der zur Redaktion führt: „Die deutschen Schriftsteller haben seit Jahrzehnten keine Kurzgeschichten geschrieben, weil es dafür keinen Markt gab. Auch die Karikaturisten müssen sich auf Neuland begeben Loriot übt sich bereits an farbigen Zeichnungen — „so was hat er bislang nirgendwo absetzen können". An Material stehen der Redaktion zwar die achtzehn amerikanischen Playboy Jahrgänge zur Verfügung, doch soll bereits die erste Ausgabe zu fünfzig Prozent mit eigenen Beiträgen gefüllt werden. Später, möchte man auf siebzig Prozent , kommen.

Der erste deutsche Playboy geht im Olympiamonat August mit Bildreportagen über die Mädchen von München, den Modeschöpfer Pierre Cardin und mit Artikeln von Henry Miller, Tennessee Williams, Art Buchwald und — Heinrich Heine an den Start. Einen prominenten deutschsprachigen Schriftsteller hat Heinz van Nouhuys bislang nicht als Mitarbeiter gewinnen können, doch schloß er bereits einen Exklusivvertrag mit Ephraim Kishon. Nun hofft er darauf, daß später einmal auch Günter Grass, Friedrich Dürrenmatt, Heinrich BÖll und Max Frisch ihre Talente im Playboy verkaufen. Als gelegentliche Interviewpartner sieht Raimond le Viseur den Wissenschaftsminister Klaus von Dohnanyi und FDP Generalsekretär Flach. Politisches Engagement hat er jedoch nicht im Sinn.

 
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