Irland-Irrtümer

Mit den Kämpfen in Nordirland ist es ein bißchen wie mit dem Dreißigjährigen Krieg. Es gibt große Strecken des Landes, da hört und sieht man nichts von Bomben und Soldaten. Hätte es damals, als die Schweden gegen die Kaiserlichen zogen (also Protestanten gegen Katholiken) schon die modernen Medien der Kommunikation gegeben, man hätte einem Engländer oder Iren ein paar ruhige Urlaubsplätze in Deutschland empfehlen können, die Mosel zum Beispiel oder den Schwarzwald.

Das kann man auch jetzt getrost tun, was Irland angeht. Daß die Kontinentaleuropäer nicht mehr die Grüne Insel besuchen mögen, aus Furcht, die IRA könnte ihnen das Hotelbett unterm Rücken wegsprengen, ist reine Unkenntnis. Nicht nur grasen die Kühe in Cork friedlich wie eh und je, nicht nur stört keine Detonation die Einsamkeit der Connemara, sogar in Noröürland gibt es weite Gebiete, in denen noch nie etwas passiert ist. Als Faustregel für einen Urlaub in Ulster gilt: dorthin gehen, wo die Konfessionsverhältnisse krasser als 80:20 sind, ganz gleich, welche der beiden Seiten die 80 Prozent hat.

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Wer also zum Beispiel im Nordosten, zwischen Coleraine und der Ostküste Urlaub macht, wird so unbelästigt zurückkehren wie der, der sich im Südwesten von Nordirland, wo die Seen den finnischen an Reiz nicht nachstehen, ein Landhotel sucht. Mit der Fähre von Stranraer in Schottland hinüber nach Larne, die Städte fein links liegen lassen, die innerirische Grenze meiden, und schon kann nichts geschehen. Wers trotzdem nicht glaubt: mit dem Bürgerkrieg in Irland ist es ein bißchen wie mit den Banditenmorden auf Sardinien. Lesen Sie die Totenlisten: Touristennamen sind nie darunter. K H W

 
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