Kommt eine politische Aktien-Baisse?

Zur gleichen Zeit, da an der Konjunkturbelebung kein Zweifel mehr bestehen kann, stockt der Anstieg der deutschen. Aktienkurse. Noch ist nicht zu erkennen, ob es sich bei der eingetretenen Ruhe;iaai; ;eiiki derüblichen Konsolidifirungsphasen handelt oder ob die deutsche Börse vor einer Tendenzweride steht. Haben wir es vielleicht mit den Anfängen einer Baisse Bewegung zu tun, die politischen Ursprung hat?

Ohne Zweifel sind die deutschen Anleger über die innen- und finanzpolitische Entwicklung in der Bundesrepublik beunruhigt; in erster Linie durcfr die Diskussionen über Steuererhöhungen. Nach dem bisherigen Zeitplan glaubte man sich mit diesem Thema erst ab 1974 beschäftigen zu müssen. Die Finanzkrise scheint aber ein rascheres Handeln der Politiker zu erzwingen. Für die Entwicklung der Aktienkurse wird ausschlaggebend sein, ob es zu einCT Anhebung der gewinnabhängigen Steuern (Körperschaftsteuer und Einkommensteuer) kommt oder ob der einfachere Weg über die Erhöhung der Mehrwertsteuer gegangen werden wird. Höhere Körperschaftsteuern erfordern eine Neuberechnung der Gewinnschätzung für 1973, einem Jahr, von dem bisher angenommen- wurde, das es die Unternehmen endlich aus der Ertragsmisere herausführen würde.

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Ein weiterer Punkt des Börsenunbehagens liegt Im Verhalten der Bundesbank begründet, der einzigen Institution, die in Sachen Konjunkturpolitik noch handlungsfähig ist. Sorgenkind der BundesbaÄk ist die starke Kreditausweitung. Hier könnte der Zentralbankrat mit restriktiven Maßnahmen gegensteuern, um die Konjunkturbelebung im Griff zu behalten. Restriktionen bedeuten für die Börse erfahrungsgemäß nichts Gutes. Ihre Einführung würde als erstes Klingeln zum „Aussteigen" gewertet werden.

Das wäre allerdings noch nicht der Beginn einer politischen Baisse. Sie könnte im Zusammenhing mit Neuwahlen kommen, die mit ziemlicher Sicherheit, eine weitere Radikalisierung mit sich bringt. Sie würde die Kauflust der Ausländer erheblich abkühlen, vielleicht auch einen Abzug von Äüsländsgeldern hervorrufen.

Das Frankfurter Bankhaus Georg Hauck & Sohn untersucht die Frage, ob bei einein Kurseinbruch, aus diesen Gründen Aktienkäufe sinnvoll wären. Denn nach einer alten Börsenweisheit, meine verehrten Leser, heißt es: „Politische Baissen sind Kaufbörsen!"

Ihr will das Bankhaus Hauck aber nur dann folgen„wenn die politischen Kräfte willens und in der. Lage sind, mit geeigneten Maßnahmen ein wirtschaftliches Wachstum zu sichern". Entscheidend für die Kursbildung, so meint Hauck, sind das wirtschaftliche Fundament und die länger! ristigen Gewinnchancen der Gesellschaften „Sollten allerdings politische Veränderungen eintreten, die den Bestand unserer Gesellschaftsordnung in Frage stellen oder eine dirigistische Einschränkung des unternehmerischen Spielraums mit sich bringen, dann gilt die (oben zitierte) Anlagerege] mit Sicherheit nicht. Das italienische Beispiel zeigt sehr deutlich: Trostlose politische Verhältnisse, die sich unmittelbar auf das ökonomisch Klima auswirken, sind ein entscheidender und hartnäckiger Baissefaktor "

Von italienischen Verhältnissen sind wir nodi weit entfernt. Die Hauptgefahr für die deutscher, Aktien- uad Investment Sparer droht vom linken SPD Flügel, der bekanntlich die Belastbarkeit der deutschen Wirtschaft einmal „erproben" möchte. Ernst zu nehmen ist daneben die vom Deutschen Gewerkschaftsbund geforderte 15pro zentige Gewinnabgabe bei sogenannten Großfirmen. Sie soll, nicht vorrangig Vermögen bei den Arbeitnehmern bilden. Hauptziel ist vielmehr: „Mehr Startund Chancengleichheit der Arbeitnehmer muß in erster Linie durch bessere Sicherungs- und Bildungssysteine, Bereitstellung von Kollektivgutern sowie nicht zuletzt durch eine stärkere Berücksichtigung gesellschaftlicher Interessen bei der Verfolgung untefnehmenspolitischer Ziele verwirklicht werden "

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